10 Dinge, die Menschen über Assistenzhunde denken (Aber einfach nicht wahr sind)

Elvira Treppe

Elvira mit Xandor

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Xandor beim Anzeigen einer Bank

Im allgemeinen verstehen immer mehr Leute das Konzept eines Assistenzhundes. Wenn du das erste mal von einem Assistenzhund hörst, dann stellst du dir vermutlich einen Golden Retriever oder einen Deutschen Schäferhund vor, der eine Kenndecke trägt und seinen blinden Hundeführer durch die Straßen der Stadt führt. Diese Bild gilt für einige Hundeführer, aber nicht für alle!

 

Assistenzhunde und deren Hundeführer (oder auch Partner) kommen in verschiedenen Formen, Größen, Hintergründe, und Behinderungen. Deshalb sind Ylvi und ich stolz darauf euch die 10 Dinge, die Menschen über Assistenzhunde denken (Aber einfach nicht wahr sind) vorzustellen.

 

1.Assistenzhundeteams müssen einen eigenen Ausweis dabei haben:

Eintrag Assistenzhund

Eintragung in den Behindertenpass in Österreich

Ja und nein. Damit der Hund in Österreich als Assistenzhund anerkannt ist muss man beim Messerli Institut (das gehört zur Veterinärmedizinischen Uni Wien) eine spezielle Prüfung ablegen. Wenn man diese Prüfung bestanden hat, dann wird der Assistenzhund mit der Prüfungsnummer im Behindertenpass eingetragen. Diese Eintragung gilt als Nachweis dafür, dass der Hund geprüft ist und somit auch die speziellen Zutrittsrechte erhält.

Vor dem neuen Gesetz, also vor 2015 waren nur die Blindenführhunde offiziell, also per Gesetz anerkannt und im Behindertenpass eingetragen werden. Service- und Signalhunde kann man seit 2008 im Behindertenpass eintragen. Davor waren sie unter dem Namen Partnerhunde zusammengefasst. Neu ist eben seit 2015 sind die Erwähnung im Gesetz und die einheitliche Prüfung.

Bei allen anderen Assistenzhunden konnten die verschiedenen Ausbildungsstätten die Prüfungen selber abnehmen und auch selber Ausweise herstellen. Diese Ausweise hatten allerdings rechtlich keine Gültigkeit.

Die Prüfung besteht eigentlich aus zwei Prüfungen, einmal der Qualitätsprüfung und einmal der Teamprüfung. Bevor man jedoch zu diesen Prüfungen antreten darf muss man den Hund sehr ausführlich vom Tierarzt untersuchen lassen. Denn es gibt ein paar Erkrankungen, die dazu führen, dass der Hund nicht zur Assistenzhundeprüfung zugelassen wird und somit nie offiziell Assistenzhund werden kann.

 

2.Assistenzhunde müssen eine Kenndecke tragen:

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offizielles Halstuch vom Messerli Institut

Das ist leider falsch. In Österreich ist es nicht verpflichtend, dass ein Assistenzhund der arbeitet als solcher gekennzeichnet. Allerings sollte die Kenndecke bzw eine Kennzeichnung einige Dinge einfacher machen, wie zb das Busfahren ohne Maulkorb.

Nach dem bestehen der Assistenzhundeprüfung vom Messerli Institut bekommt man sowohl eine gelbe Kenndecke, als auch ein gelbes Halstuch mit dem offiziellen Logo. Man kann dieses verwenden, muss es aber nicht. Auch eine Kennzeichnung durch zb Aufnäher oder mit dem Logo der Ausbildungstätte ist möglich.

Theoretisch sollte eine Kennzeichnung es einfacher machen die speziellen Rechte, die ein Assistenzhund hat zu nützen. So sieht zum Beispiel der Mitarbeiter eines Lebensmittelgeschäftes gleich, dass es sich hierbei um einen speziellen Hund, sprich einen Assistenzhund handelt. So sollte man dann den Assistenzhund mitführen können, ohne angesprochen zu werden. Wie gesagt, derzeit noch theoretisch.

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Assistenzhund Vroni mit eigenem Logo

Nur weil ein Hund nicht gekennzeichnet ist, kann trotzdem niemand dem Hundeführer die speziellen Rechte eines Assistenzhundes verwehren. Das bedeutet, dass ich auch ohne extra gekennzeichnetem Assistenzhund zb in ein Lebensmittelgeschäft gehen kann. Allerdings muss ich dann damit rechnen von Mitarbeitern angesprochen zu werden und den Ausweis vorzeigen zu können.

Was können nun Ladenbesitzer machen um sicher zu sein, dass der Hund auch wirklich ein Assistenzhund ist. Denn jeder von uns kennt ja die K-9 Geschirre mit den eigenen Aufklebern wo alle möglichen Dinge oben stehen.

Es ist ganz einfach:

Die Mitarbeiter dürfen nach dem Behindertenpass fragen.
Nicht mehr und nicht weniger. Sie dürfen NICHT nach der Art der Behinderung fragen, oder welche Aufgaben der Assistenzhund leisten muss. Ebenso dürfen sie nicht darauf bestehen, dass man vorzeigen muss was der Hund kann.

 

3.Alle Assistenzhunde werden in einer speziellen Ausbildungsstätte trainiert und dann verkauft:

Assistenzhund Wilson

Assistenzhund Wilson wurde von seiner Hundeführerin selbständig zum PTBS-Assistenzhund ausgebildet

Ein weiterer Irrglaub ist, dass jeder mit einem Assistenzhund, diesen für eine spezielle Ausbildungstätte trainiert. Der große Teil der Menschen kommt zu diesem Schluss wenn der Hundeführer nicht offensichtlich behindert ist.

In Österreich ist nicht vorgeschrieben wer den Hund trainiert. Wichtig ist nur dass man die Prüfung beim Messerli Institut besteht. Früher wurden die Hunde sehr häufig in speziellen Ausbildungstätten trainiert. Auch heute ist das besonders bei den Blindenführhunden noch so. Diese Hunde leben dann bis ca zum 2. oder 3. Lebensjahr in der Ausbildungstätte oder beim Hundetrainer und werden erst nach Abschluss der Ausbildung an den neuen Besitzer abgegeben.

Gerade bei den Signalhunden, wie zum Beispiel für PTBS oder Diabetes, werden die Hunde häufig gemeinsam von dem zukünftigen Hundehalter mit einem Trainer ausgebildet. Dabei kann der Trainer auf Assistenzhunde spezialisiert sein, muss es aber nicht. In Österreich ist die Berufsbezeichnung „Hundetrainer“ und „Assistenzhundetrainer“ kein geschützer Beruf. Daher sollten man bei der Wahl des Hundetrainers oder der Ausbildungsstätte besonders viel Wert darauf legen wo diese ihre Ausbildung gemacht haben und ob ihr Wissen zu Hunden auf den neusten Stand der Wissenschaft ist. Dafür müssen die Hundetrainer selber regelmäßig Seminare besuchen.

Auch das Konzept, dass man den Hund selber ausbildet ist möglich. Immer mehr Menschen tendieren zu letzterem, da ein Assistenzhund aus einer Ausbildungstätte, je nach Aufgabe, zwischen 20.000€ und 40.000€ kostet. Durch eine Selbstausbildung kann man die Kosten erheblich senken.

Wenn du einen Assistenzhund in der Öffentlichkeit siehst, und auch wenn sein Hundeführer nicht krank aussieht, dann bedeutet das nicht, dass dieser Hund für jemanden anderen ausgebildet wird. Viel Hundeführer ziehen es vor Assistenzhund in Ausbildung als solche zu kennzeichnen. Selbst wenn es nicht offensichtlich ist, gehe nicht davon aus, dass der Hund nicht gerade seinen Hundeführer unterstützt. Vergiss nicht: Nicht alle Einschränkungen sind sichtbar! Das selbe gilt übrigens auch für die Hilfeleistungen eines Assistenzhundes.

 

4. Assistenzhunde machen niemals Fehler:

Mein Assistenzhund ist sehr gut ausgebildet, aber kein Training kann verhindern, dass er sich mal übergibt – vielleicht sogar im Lebensmittelgeschäft. Jeder der mit Menschen arbeitet kann dir sagen, dass Menschen Unfälle passieren. Hunden ebenso. Auch wenn wir gerne immer Kontrolle über unseren Körper hätten, so ist das leider nicht immer der Fall.

Assistenzhunde können aus verschiedenen Gründen Unfälle passieren. Zum Beispiel wenn der Unfall eine Körperfunktion betrifft, die nicht unbedingt kontrollierbar ist, wie zb Durchfall oder erbrechen. Es kann auch ein Fehler im Training sein: Zum Beispiel wenn ein Hund ein- oder zweimal jemanden anbellt während er arbeitet (das kann aber auch gewollt sein), oder versucht jemanden zu begrüßen, der aber nicht begrüßt werden will.

Das bedeutet, dass Unfälle oder Fehler akzeptiert werden können, so lange der Assistenznehmer es dann schafft seinen Hund wieder unter Kontrolle zu bringen.

 

5.Assistenzhunde dürfen niemals spielen:

Das stimmt definitiv nicht. Wenn ein Assistenzhund nicht arbeitet dann ist er wie ein ganz normaler Hund.

Hier seht ihr Ylvi einmal beim Arbeiten und einmal beim Ballspielen im Schnee.

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6.Es können nur spezielle Rassen Assistenzhunde werden:

Assistenzhund Wilson ist zwar nicht der Größte, aber er erfüllt seine Aufgabe dennoch perfekt!

Assistenzhund Wilson ist zwar nicht der Größte, aber er erfüllt seine Aufgabe dennoch perfekt!

Während die meisten Menschen Assistenzhund mit Golden Retriever, Labrador Retriever oder Schäferhunden verknüpfen, ist die Wahrheit, dass es keinerlei Einschränkungen bezüglich der Rasse gibt! Jeder Hund, egal ob Mischling oder reinrassig kann ein Assistenzhund werden.

Das wichtige ist, dass der Hund Spaß an seinem Job hat und von seinem Charkter her dafür geeignet ist. Natürlich sollte auch die Größe des Hundes zu seiner Aufgabe passen. Ein Yorki wäre zb als Blindenführhund nicht geeigent.

Wichtig ist aber zu wissen, dass auch kleine Hunde Assistenzhunde werden können. Besonders in den USA sieht man immer häufiger auch kleiner Rassen als Assistenzhunde.

 

7.Wenn Assistenzhunde in Pension gehen dann bleiben sie nicht bei ihrem Assistenznehmer:

Ganz ehrlich gesagt ist der Punkt nicht wirklich falsch. Einige Assistenzhunde kommen in ein neues Zuhause sobald sie in Pension gehen.

Es mag so aussehen als wäre es grausam den Hund nach der Jahren, die er bei seinem Hundeführer gearbeitet hat abzugeben. Dennoch sind einige Hundeführer dazu gezwungen genau diese Entscheidung aus verschiedenen Gründen zu treffen.

Der offensichtlichste Grund ist die Behinderung. Manche Hundführer können sie nur um einen Hund kümmern und so muss der Platz in ihrem Leben für den Assistenzhund im aktiven Dienst reserviert sein.

Dann ist da das klassische Geldproblem. Hunde sind nun mal teuer. Futter, Tierarztkosten, Spielsachen oder mal ein neues Geschirr muss alles der Hundeführer selber zahlen. Im Allgemeinen kann man sagen, dass Menschen die eine Behinderung haben nicht gerade in Geld schwimmen. Aus diesem Grund ist es häufig der menschlice Weg seinem langjährigen Hundefreund einen Platz zu geben, wo sich die Leute gut um ihn kümmern und sich auch die Kosten leisten können, die ein alternder Hund so mit sich bringt.

Wichtig ist, dass dies NICHT für alle Assistenzhunde gilt. Viele Hundeführer entscheiden sich auch dafür den pensionierten Assistenzhund bei sich zu behalten, da sie eine besonders enge Bindung zu ihm haben. Diejenigen können sich glücklich schätzen in einer Position zu sein um diese Entscheidung treffen zu können.

Nachdem das gesagt wurde, bitte seid nicht traurig für die Assistenzhunde, die in eine neues Zuhause kommen. Es gibt eine ziemlich große Nachfrage nach älteren und gut ausgebildeten Hunde und viele Familien sich mehr als glücklich einen pensionierten Assistenzhund in ihre Familie aufnehmen zu düfen.

 

8.Ein Assistenzhund ist immer einen Einladung nach der Erkrankung/Behinderung des Assistenznehmers zu fragen:

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Ylvi sorgt durch ihre Positionierung dafür dass Menschen einen großen Bogen um mich gehen

Einen Assistenzhund zu haben ist KEINE Einladung seinen Hundeführer nach der Erkrankung oder Behinderung zu fragen.

Erwähne dies und du kannst dir sicher sein, den Ärger von allen Assistenzhundehaltern auf der ganzen Welt zu zu ziehen.

Egal wo du bist oder was du machst, wenn du einen Assistenzhund bei dir hast kannst du dir fast sicher sein, dass folgende Konversation im Laufe des Tages kommt:

Mensch: „Oh, ist das ein Assistenzhund? Er ist so nett!“
Du: „Danke.“
Mensch: „Was macht sie denn?“Du: „Sie hilft mir im Alltag.“
Mensch: „Oh…. Was hast du denn?“

 

Assistenzhund Vroni

Assistenzhund Vroni

Hier ist eine der wichtigsten Infos, die ich allen Lesern mitgeben möchte: Außer ihr sein ein Arzt oder Richter, ist es NIEMALS okay einen Fremden nach seiner Behinderung zu fragen. Oder könnt ihr euch vorstellen zu jemandem in einem Rollstuhl hinzugehen und ihn zu fragen warum er nicht mehr gehen kann? Nein? Die selben Regeln gelten bei allen Assistenzhundhaltern.

Ich weiß, dass diese Frage häufig daher kommt, weil die Leute einfach nicht wissen welche Aufgaben ein Assistenzhund für jemanden übernehmen kann der physisch völlig gesund aussieht. Die Aufgaben gehen vom erkennen eines epileptischen Krampfanfalles, anzeigen einer Dissoziation oder manischen Zustandes, Symptome einer PTBS oder Angststörung lindern indem Personen geblockt werden oder deep pressure therapy“ also Tiefdrucktherapie angewendet wird, eine Blutzuckerentgleisung nach oben oder unten anzeigen, usw… Es gibt einfach zu viele Möglichkeiten um alle aufzuzählen. Ihr müsst nur verstehen, dass die Behinderung einer Person nicht immer sichtbar ist und es unhöflich ist danach zu fragen.

 

9.Manche Assistenzhundehalter verdienen einen Assistenzhund mehr als andere:

Während nicht alle Einschränkungen gleich stark sind, weiß nur ein Assistenznehmer selber wie stark seine Erkrankung ihn im Alltag einschränkt.

Die einzige Person, die einem Assistenznehmer sagen kann, dass er keinen Assistenzhund braucht ist ein Gutachter.

 

10.Der Assistenzhundehalter  muss immer krank aussehen:

Wie ich bereits ein paar mal erwähnt habe, es gibt eine große Vielfalt an unsichtbaren Einschränkungen, die jemand haben kann der nach außen hin völlig gesund wirkt. Auch jemand der völlig gesund aussieht kann eine Behinderung haben. Jeder, der meinem Blog folgt, dürfte das inzwischen auch gemerkt haben. 😉

Das beste ist wenn man nicht denkt man könnte die ganze Krankengeschichte wissen nur indem man jemanden ansieht. Wie ich bereits unter Punkt 8 erklärt habe, ist es sehr unhöflich jemanden nach seinen medizinischen Problemen zu fragen. Akzeptiert einfach, dass du nicht erfahren wirst was der jenige hat und geh weiter.

 

Vielen Dank an Assistenzhund Wilson und Peter mit Assistenzhund Vroni, sowie Elvira mit Blindenführhund Xandor für die tollen Bilder!!

Eure Klara mit Ylvi

 

 

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2 Kommentare zu “10 Dinge, die Menschen über Assistenzhunde denken (Aber einfach nicht wahr sind)
  1. Toll gemacht, danke für die Mühe.
    Liebe grüße aus Deutschland vonAssistenzhund Vroni und Peter

    • KLARA sagt:

      Vielen Dank 🙂
      Und auch vielen Dank, dass ihr beide mir so tolle Fotos zur Verfügung gestellt habt! Es war gar nicht so leicht mich für zwei zu entscheiden.
      Liebe Grüße, Klara

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