Ankunft in Bad Honnef

Um 3 Uhr in der Nacht mussten wir losfahren. Denn bereits zwischen 9 und 10 Uhr sollte ich mich bei der Patientenanmeldung melden. Dank Stau und Baustellen kamen wir allerdings erst kurz nach 11 Uhr an. Ein Stück bin ich selber gefahren, alles andere mein Mann.

Es war super anstrengend und statt dass ich gleich das Zimmer gezeigt bekomme, musste ich erst mal die Aufnahme in der Patientenverwaltung machen. Die Dame dort kannte sie nicht wirklich mit meinem E112 Formular aus. Ich bin ja gespannt ob sie es hinbekommt, denn im schlimmsten Fall kommt dann eine Rechnung von mehreren Tausend Euro auf mich zu und dann hab ich die Lauerei damit das dann auch wirklich gezahlt wird.

Mit etwas Bauchweh ging es weiter zu der ärztlichen Aufnahme, doch die waren nur für das körperliche Zuständig. Ich finde es ja doof beide Bereiche körperlich und psychisch zu trennen. Denn kann man das wirklich so einfach trennen? Sollte man gerade in der Psychosomatik nicht den Patient als Ganzes betrachten? Denn psychische Probleme schlagen sich oft in körperlichen Dingen nieder und wie soll man das dann bitte auseinanderdividieren?

Im Anschluss wurde ich von der Pflege abgeholt und mir mein Zimmer gezeigt. Nur gezeigt, denn es war immer noch nicht fertig geputzt. Mir war einfach alles zu viel und ich wollte mich nur noch zurückziehen. Meinem Mann ging es nicht besser, der war müde vom Fahren und musste im Warteraum sitzen, während ich die Untersuchungen hatte.

Nachdem die Kantine um 13 Uhr schließt wurden wir zum Essen geschickt. Ich war schon gespannt wie es werden würde, denn ausgemacht wäre gewesen, dass ich Ylvi nicht zum Essen mitnehmen dürfe – wegen der anderen Patienten. So stand ich dann beim Eingang der Kantine und konnte noch einmal einatmen bevor schon die Erste bei mir war und mir sagte, dass ich mit Hund hier nicht rein dürfe. „Es ist mein erster Tag, das Zimmer ist noch nicht fertig und sonst kann ich sie nirgends hingeben. Außerdem möchte ich jetzt was essen.“ war alles was ich noch raus brauchte. Nach einigem hin und her und ein Telefonat später konnte ich Ylvi doch mitnehmen und mir was zum Essen holen. Das Essen war unterster Kantinenfraß, völlig lieblos auf den Teller geklatscht. Ich konnte es beim besten Willen nicht runterbekommen. Am Salatbuffet fand ich dann doch noch was zu essen und würgte es runter, der Appetit war mir echt vergangen.

Nachdem das Zimmer immer noch nicht fertig war gingen mein Mann und ich erst mal zum Auto. Dort brauch ich erst mal zusammen und heulte. Ich wollte hier nicht bleiben, ich wollte einfach nur wieder weg und mit ihm nach Hause fahren. Er versuchte mich so gut es ging zu trösten und wieder aufzumuntern. Ylvi war schon seit der Ankunft ständig damit beschäftigt mit Anzeigen, Hände abschlecken und mir die Pfoten auf die Oberschenkel zu legen sobald ich mich wo hinsetzte. Trotzdem lies sie sich beim EKG schreiben neben der Bahre ablegen und wartete brav bis ich fertig war.

Max blieb im Auto und schlief erst mal während ich meinen Stationsrundgang hatte. Um 14 Uhr war das Zimmer dann endlich fertig und Max räumte meine Sachen vom Auto ins Zimmer während ich (endlich) das Gespräch bei Dr Fellner (der Oberärztin und zuständig für das Psychische) hatte. Die Schwester von der Pflege war auch anwesend und hier wurde ich zum ersten mal gefragt wie es mir denn gehe. Ich war mutig und sagte ihnen offen und ehrlich, dass es mir beschissen geht und ich bis jetzt nur noch heim will. Das Essen macht mir Sorgen, denn das kann ich nicht essen und ich hab einen eigenen Ernährungsplan mit dem ich seit ein paar Wochen mein Essverhalten gut im Griff hatte. Ich aß regelmäßig und gesund, obwohl ich keinen Appetit habe, aber es funktionierte.

Ausgemacht war, dass ich Ylvi bei den Einzeltterminen (wovon ich eh nicht so viele haben werde) mitnehmen darf, aber dafür bitte nicht zu den Gruppentherapien und nicht zum Essen in die Kantine. Ich war zwar nicht ganz zufrieden damit, aber wenigstens durfte ich sie zu den Einzel mitnehmen und hatte sie so um mich und mir wurde auch versichert, dass ich genug Zeit haben werde mich um sie zu kümmern.

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dahinter im Dunklen liegt mein Zimmer

Dann kam für mich der Absolute Knaller! Es sei ja schön und echt toll dass ich sie habe ABER ich soll doch auch mal schauen was ohne Ylvi zu machen. Und demenstprechend darf ich sie nicht mehr zu jedem Einzel mitbringen. Ich soll „abwechseln“. Ich fühlte mich so was von verarscht. Da gehts dir beschissen, du traust dich es anzusprechen und dann kommen nur Blubberblasen, dass man halt gut „Im Kontakt bleiben müsse“ und dann verlange sie noch dass man weniger mit seinem Assistenzhund macht!?!!! Ich war paff und völlig neben mir. Mir fiel keine passende Antwort ein und schon ging es weiter zu meinen Zielen. Dass ich doch auch stärken soll was ich selber in Fall von Dissoziationen und Co machen könne, abseits von Ylvi. Es klang so als wäre es nicht okay dass ich Ylvi hab und als wäre ich von  ihr abhängig (wie von Drogen) und sie müssen mich jetzt auf Entzug setzen. Klar, schau ich auch zuhause mal dass ich ohne Ylvi rausgehe. Klar will ich Skills lernen wie ich besser mit Dissoziationen umgehen kann. Doch dafür braucht man mir nicht meinen Assistenzhund wegnehmen!!

Ich weiß nicht mehr genau was ich geantwortet hab, aber ich hab (hoffentlich) klargestellt, dass ich Ylvi sehr wohl brauche und auch einsetzen werde und sie sich das ohne Ylvi abschminken können. Dr Fellner meinte dann noch es sei ja kein entweder oder, sondern ein gemeinsam zu ihr dazu. Dann hätte sie das mal besser gleich zu Beginn anders formulieren sollen. Denn für mich klang es sehr nach – „du hast sie jetzt zwar mit, aber eigentlich soll sie nur auf dem Zimmer sein und du deinen Dinge alleine machen. Bei den Therapien wollen wir sie nicht dabei haben!“

Mir ging es immer schlechter. Nach dem Termin bin ich erst mal aufs Zimmer und hab mich bei meinem Mann ausgeheult. Mir war kotzübel, ich hatte Kopfschmerzen und das Gefühl hier so gar nicht willkommen zu sein.

Absolut kein Vergleich mit Heiligenfeld!!

Ich wollte etwas gegen die Übelkeit nehmen und hab nach dem Auspacken festgestellt, dass mir das Vertirosan fehlt. Also musste ich über die Straße rüber ins andere Haus um zur Station zu kommen. Genau, mein Zimmer ist in einem anderen Haus als  die Station und ich hab ein „Gästezimmer“ bekommen. Da fühlt man sich gleich noch viel mehr willkommen.

Leider hatte ich vergessen das Medikament bei der Aufnahme anzugeben und so musste ich erst mal mit der Schwester diskutieren um rauszufinden wo das Problem genau liegt und damit sie dann den diensthabenden Arzt anrief und der das Ok gab, dass ich was nehmen dürfe.

Geholfen hat es leider nicht. Max ist dann mit mir noch schnell einkaufen gegangen. Er ist alleine rein, denn ich hätte eine Diskussion ob ich mit Ylvi ins Geschäft darf oder nicht einfach nicht mehr durchgestanden. So saß ich vor dem Geschäft, mir wurde schwindelig, ich hatte das Gefühl kotzen zu müssen und zitterte wie Espenlaub (meine neue Version von den Krampfanfällen).

Mit Müh und Not schaffte Max mich zurück aufs Zimmer wo ich mich endlich mal hinlegen konnte. Ich hätte um 18:30 Uhr noch das Aufnahmegespräch bei der Pflege gehabt, aber da hab ich dann angerufen, das mit den Anfällen erklärt und dass ich jetzt nicht gehen kann. Sie war freundlich und ich soll mich später noch mal melden.

Später war es dann noch schlimmer, ich hing schon über der Kloschüssel, und konnte einfach nicht mehr. Max kümmerte sich so gut es ging um mich, aber es war schon spät und er musste noch heimfahren. Also hab ich ihn schweren Herzen losgeschickt.

Irgendwann konnte ich es nicht mehr aushalten und rief die Schwester an, dass es nicht mehr geht und ich nun mein Bedarfsmedikament nehmen würde – ich hab ja noch eines da. Gekommen ist sie dennoch nicht.

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2 Kommentare zu “Ankunft in Bad Honnef
  1. MONIKA GEFING sagt:

    DARF ICH DICH ANRUFEN? MONIKA UND HAPPY

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