Assistenzhunde als Maschinen

Neuerlich bin ich im Internet, genauer gesagt auf Facebook, über einen Beitrag einer Betroffenen mit Assistenzhund gestoßen, der nach allen Regeln der Kunst zerlegt wurde. Da werden Dinge kritisiert wie zb dass der Hund im Beitrag mit Leckerlis belohnt wird. Und da frage ich  mich ernsthaft, ob unsere Assistenzhunde Maschinen sein sollen?

Sollen sie all ihre Aufgaben erfüllen ohne je dafür belohnt zu werden? Und warum sind so viele Leute dagegen den Hund mit Leckerlis zu belohnen? Ist es denn etwas so schlimmes wenn ich meinen Assistenzhund mit einem Leckerli belohn weil er gerade etwas toll gemacht hat? Vielleicht kann es mir jemand von euch erklären? Ich verstehe es nämlich einfach nicht.

Ich habe mit meiner Ylvi sehr viel trainiert und sogar 1 Jahr früher als geplant die Assistenzhundeprüfung abgelegt. Das bedeutet 1 ganzes Jahr weniger Training als zuerst angesetzt wurde! Ja, sie ist also ein fertig ausgebildeter Assistenzhund und dennoch belohne ich sie immer wieder mit Leckerlis. Warum auch nicht? Wenn sie arbeitet ist das etwas anstrengendes für sie, auch wenn es ihr Spaß macht. Es fordert viel Konzentration und teilweise sind es Dinge, die entgegen ihrem natürlichen Verhalten gehen. Zum Beispiel wenn auf der Straße die Überreste eines Döners liegen. Normalerweise würde sie hingehen und es fressen – ist ja schließlich Futter und riecht zudem auch entsprechend lecker (und schmeckt auch). Also übe ich mit ihr als Alternativverhalten zu  mir zu kommen. Denn dann gibt es bei mir als Ersatz etwas Leckeres. Bis das sitzt dauert es natürlich entsprechend lange – besonders bei einem so verfressenen Hund wie Ylvi nun mal ist. Es ist für sie wohl eines der schwierigsten Dinge zum lernen – zumal ich auch etwas spät damit angefangen habe und sie davor schon ein paar Erfolgserlebnisse hatte.

Also ja, mein Assistenzhund ist „fertig ausgebildet“ und dennoch nicht perfekt. In manchen Bereichen üben wir immer noch und ich finde auch immer wieder Dinge, die ich noch etwas verbessern kann oder die ganz neu hinzukommen. Zum Beispiel das Medical Training nach Anna Oblasser-Mirtl und Barbara Glatz.

Hunde zeigen nun mal ein Verhalten öfter, das sich für sie lohnt. Basierend auf diesem simplen Lerngesetz schaue ich, dass sich ihr Verhalten, zb Dissoziationen frühzeitig anzeigen oder unterbrechen, IMMER lohnt. Dies ist eine außerordentlich tolle Leistung von ihr und entsprechend möchte ich es auch fördern, dass sie dieses Verhalten immer wieder und zuverlässig zeigt. Ich werde auch nicht aufhören sie da je zu belohnen, nur weil jemand findet, dass es „nicht gut ankommt oder doof aussieht wenn ein Hund ein Leckerli bekommt“.

Ich halte mich da gerne daran wie es das Animal Training Center mit ihren Signalhunden für Diabetiker machen. Dort wird je nach Schwierigkeit der Aufgabe der Hund entsprechend belohnt. Angefangen beim normalen Trockenfutter (das Hauptfutter des Hundes), über weicheres Trockenfutter, normale Leckerlis, Leberwurst aus der Tube bis hin zum Nassfutter. Das Nassfutter gibt es dann wenn der Hund eine Hypo- oder Hyperglykämie anzeigt. Einen Teil des täglichen Futters müssen sich die Assistenzhunde also so erarbeiten.

Ich habe nicht immer so viel verschiedenes Futter mit, daher hab ich es ein bischen adaptiert. Bei einfachen Dingen wie Sitz, Platz, Fuß gehen gibt es nur ab und zu, also Lottomäßig eine Belohnung. Das sind aber auch Übungen, die Ylvi schon gut beherrscht. Dinge, die ich noch weiter verstärken möchte, weil sie einfach schwieriger für meinen Menschenfreundlichen Labbi sind zb das blocken hinter mir und dabei Menschen ignorieren die sie freundlich ansprechen und sogar locken. Das belohne ich noch regelmäßig und wenn die Menschen sie sogar locken mit einer handvoll Leckerlis. Ich weiß wie schwer ihr das fällt und ich würdige es mit der entsprechenden Belohnung. Das ist meine Möglichkeit ihr zu zeigen: „Hej, ich weiß das war schwer, aber du hast das gerade super gemacht!“

Ein weiterer Punkt warum ich immer einen Leckerlibeutel bei mir habe ist der, dass ich jederzeit die Möglichkeit haben möchte meinen Hund für tolles Verhalten zu belohnen. Für sie ist Futter etwas total tolles und für mich ist es einfach in der Handhabung. Ein Win Win für beide Seiten. Ebenso muss man Kommandos wie zb den Rückruf auch immer wieder aufladen.

Fazit ist, dass mein Hund keine Maschine ist und es auch nie sein wird. Ylvi ist in erster Linie ein Lebewesen, ein Hund, sie ist nicht immer perfekt und hat so ihre kleinen Macken an denen wir aber noch arbeiten.

Liebe anderen Assistenznehmer, lasst euch nicht von ein paar Menschen fertig machen weil sie meinen alles besser zu wissen. Lasst euch nicht verunsichern und lasst euch nicht fertig machen. Das Bild, das im Internet über Assistenzhunde gezeigt wird ist häufig ein verzehrtes. Es wird viel darüber berichtet was der Hund gerade toll macht, wo er wieder super reagiert hat. Doch die kleinen Dinge, die nicht funktionieren, über die berichtet kaum jemand.

Ich bin kein Hundetrainer und leider auch nicht so gut beim Erklären der Lerntheorie und den Grundsätzen nach denen ein positives Hundetraining funktioniert. Sollte jemand Interesse daran haben mehr zu erfahren wie was warum funktioniert dann kann ich die Facebookgruppe „Trainieren statt dominieren empfehlen“. Dort sind viele Hundetrainer vertreten und man bekommt kompetente Antworten auf seine Fragen. Des weiteren kann ich die Trainer des Netzwerkes Trainieren statt dominieren, der VHÖT, des Animal Training Centers oder von Tiere Helfen Leben empfehlen.

 

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2 Kommentare zu “Assistenzhunde als Maschinen
  1. Gloria Petrovics sagt:

    Klara, Du weißt genau, dass es bei der Sache insgesamt nicht um die Frage Leckerli ging – das hat jemand auch gesagt, weil derjenige halt geglaubt hat, das könnte im Geschäft stören. Bei so etwas äußern Menschen eben verschiedene Meinungen. Es ging um ganz etwas anderes – um Werbung für Trainer, um eine lange Vorgeschichte, dass kranke und schlecht ausgebildete Hunde verkauft werden, dass Menschen plötzlich vergessen, wer ihnen geholfen hat und ob man sich mit PTBS outen soll oder nicht. Mit Deinem Artikel über die Belohnungen hast Du grundsätzlich recht, nur das war nicht das Hauptproblem.

    • KLARA sagt:

      Der Beitrag um den es ging wurde in mehreren Gruppen zerrissen. Unter anderem wurde da auch stark kritisiert, dass der Hund in einem Geschäft Leckerlis bekommen hat. Auf das habe ich meinen Artikel bezogen.

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