Warum Ylvi nicht mit mir in Heiligenfeld ist

Eigentlich wollte ich den Bericht schon vor zwei Wochen schreiben, aber es ging vor der Abreise so drunter und drüber, dass ich keine Zeit dafür fand. Hier in der Klinik hatte ich bisher auch nicht wirklich den Kopf dafür.

Einige von euch haben sich sicher gewundert und andere haben mich es auch direkt gefragt: „Darf Ylvi mit ins Krankenhaus?“ oder „Warum hast du Ylvi nicht mit?“

Nun es war keine leichte Entscheidung für mich hier auf Ylvi zu verzichten. Ich war ja bereits einmal in Heiligenfeld und wusste wie die Therapien hier ablaufen, wieviele Gruppen man so hat und vor allem wie anstrengend es für mich ist so viel Therapie auf einmal zu machen. Wenn ihr einen Blick auf meinen Stundenplan werft, dann seht ihr, dass es am Morgen um 7 Uhr mit Selbststeuerung anfängt. Das ist schon mal so gar nicht meine Zeit zum aufstehen. Dann habe ich 1 Stunde Pause in der ich noch frühstücken gehen muss. Schon geht es um 8:30 Uhr weiter mit der nächsten Therapie Körperstruktur (außer montags und freitags wo wir vorher noch Visite haben). Zwischen allen Therapien habe ich so ca 30-60 Minuten Zeit. Man könnte jetzt denke, dass das genug Zeit sei um mit dem Hund eine Runde zu gehen. Ja und Nein. Für mich ist es nicht genug Zeit. Hier wird besonders viel Wert auf die Patientengemeinschaft gelegt, darauf, dass wir uns auch gegenseitig auffangen und halten. Doch dafür muss man erst einmal Kontakte knüpfen. Mit den Mitpatienten ins Gespräch kommen, eine Verbindung aufbauen. Das geht nicht wenn ich nach jeder Gruppe im Stress aufs Zimmer hetze um dann mich mit meinem Hund zu beschäftigen. Ich möchte Zeit für die anderen Menschen haben und Zeit für mich. Ich brauche manchmal auch zwischen den Therapien die Zeit um mich noch ein wenig hinzulegen, zu dösen oder eine Imaginationsübung zu machen um mich wieder runter zu holen wenn etwas aufbricht. Heiligenfeld ist hier einfach etwas anders als andere Kliniken. Hier gibt es auch tolle Angebote außerhalb der Therapie von Patienten für Patienten, wie zb das Märchenvorlesen, das ich übernommen habe. Mein Tag endet meistens erst so gegen 16:30 Uhr. Mittwochs sogar erst um 18:15 Uhr. Da bin ich dann aber auch völlig platt.

Prinzipiell gibt es hier ein Hundezimmer. Sprich 1 Patient von 134 darf seinen Hund (egal ob Assistenzhund oder Familienhund) in die Klinik mitnehmen. Logischerweise gibt es für dieses eine Zimmer eine sehr lange Warteliste. Da es mir schon seit einem Jahr schlecht geht und, es nur immer noch schlechter wurde, war es bei mir dringend einen Platz zu bekommen. Ich hatte einfach keine Zeit auf ein spezielles Zimmer zu warten. Die Wartezeit mit den geplanten 12-16 Wochen, ab dem Tag wo alle Unterlagen eingegangen sind, war mir schon zu lange. Ich hätte auch noch länger warten müssen, wenn ich nicht immer wieder angerufen und Druck gemacht hätte.

Das nächste ist, dass ich auch in dieser Klinik Ylvi nicht mit zu den Therapien nehmen hätte dürfen. Es findet hier alles in Großgruppen statt. Das sind bei der Selbststeuerung oder Körperstruktur ca 50 Patienten, beim Forum oder der Patientenversammlung 134. Nur bei der Reittherapie sind wir fix 8 Patienten und in der Kerngruppe 11. Einmal pro Woche gibt es für 20 Minuten ein Einzelgespräch. Ich hatte einfach nicht mehr die Kraft darum zu kämpfen, dass ich sie als Assistenzhund überall mitnehmen darf. Ich war einfach an einem Punkt angelangt an dem ich das nicht mehr konnte.

Der nächste Punkt ist, dass ich mir vorgenommen habe mich hier mal nur auf mich zu konzentrieren. Mich nicht durch andere Dinge ablenken zu lassen, auch wenn die Ablenkung häufig sehr willkommen ist. So kann ich mich richtig auf die Therapien einlassen und muss nicht ständig denken, ob sie sich jetzt wohl brav verhält so dass sich niemand aufregen kann. Oder ob es andere Patienten stört, dass sie dabei ist oder gar jemand in der Gruppe ist der Angst vor Hunden hat. Da wäre ich dann ständig damit beschäftigt was andere denken und möglichst unauffällig zu sein. Doch darum soll es in dem Aufenthalt nicht gehen. Es soll einfach mal um mich gehen.

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Ankunft in HF

Mein Tag begann heute sehr früh um 6 Uhr morgens. Wie so oft konnte ich am Abend nicht einschlafen, nur diesmal war es vor lauter Nervosität. Die Fahrt dauerte 5 Stunden und ich hatte Glück und konnte im Auto noch etwas schlafen.

Es war ein total komisches Gefühl wieder in HF anzukommen. Die Klinik kenne ich bereits von einem früheren Aufenthalt. Alles sieht noch gleich aus wie damals, naja fast alles. Sie haben angebaut und beherbergen jetzt ca 30 Patienten mehr als noch vor 5 Jahren. Auch die Therapieangeboten haben sich ziemlich verändert. Inzwischen werden viele körperbetonte Therapien angeboten. Puh, mich gruselte es als ich das gesehen hab. Zu meinem Körper habe ich keine so gute Beziehung und in der Therapie irgendetwas mit dem Körper machen war bisher schlimm. Ich fühlte mich dabei immer total unwohl. Dinge wie „in sich hineinspüren“ oder „den Körper bewusst wahrnehmen“ haben auch schon heftige Flashbacks ausgelöst. Ich kann nur hoffen, dass solche Dinge die Therapeuten hier gut im Blick haben und es in der großen Gruppe nicht untergeht! Das macht mir inzwischen schon etwas Sorgen, die größe der Gruppen. Wir reden hier nicht von Kleingruppen mit 10 Personen, was ja auch schon viel ist, sondern von großen Gruppen mit 30-50 Personen und nur 1-2 Therapeuten. Allein beim Gedanken daran gruselt es mich und ich muss anfangen zu skillen.

Die Anmeldung klappte noch ganz gut und ich hatte dann noch etwas Zeit mit meinem Mann. Uns beiden viel der Abschied total schwer. 8-10 Wochen ist schon eine ganz schön lange Zeit…

Leider ist dann beim Aufnahmegespräch etwas schief gelaufen. Sie hatten mir das Gespräch mit einer Therapeutin eingeteilt, die noch im Urlaub war. Ich saß also eine halbe Stund im Fernsehzimmer und wurde nicht abgeholt. Ein total doofes Gefühl wenn die anderen Patienten so vor zu abgeholt werden und man dann alleine da sitzt und wartet. Schlussendlich ging ich dann zum Patientenmanagment und fragte nach was da los sei. Eine andere Therapeutin machte mit mir ein „Aufnahmegespräch“, naja mehr als 5 Worte haben wir nicht gewechselt. Sie sagte mir nur, dass mein Aufnahmegespräch am nächsten Tag mit meiner Thera stattfinden würde und gab mir einen Fragebogen zum ausfüllen und einen Plan wie es am nächsten Tag weitergehen wird. Ich hätte und habe immer noch viele Fragen zu den angebotenen Therapien.

Im Anschluss hatte ich noch ein hm naja, kurzes Gespräch mit dem „Körperarzt“. Im Endeffekt schrieb er auf was für Medikamente ich nehme. Zum Glück hatte ich im Vorfeld bereits alle aufgeschrieben und neben den Handelsnamen auch die Wirkstoffe notiert. So war es für ihn leichter das entsprechende Produkt zu finden, das in Deutschland im Handel ist. Spannend wird immer ob sie das Melatonin bekommen und das Medikament für die Hypersensibilisierung meiner Allergie. Die Verständigung mit dem Arzt war mehr als mühsam, da er nicht vernünftig deutsch sprach und mich die halbe Zeit nicht verstand. Ihm dann zu erklären, dass ich von einem Medikament einen trockenen Mund bekomme und deshalb immer wieder was trinken müsse war schon schwer. Zur Info, in den Therapien hier ist essen und trinken während den Therapien nicht erlaubt, da es zu sehr von der Therapie ablenkt. Auch Kaugummikauen ist nur nach ärztlicher Anordnung erlaubt. Tja, und dann erkläre mal einen Arzt, der dich nicht versteht, dass du einen sauren Kaugummi als Skill hast und es daher vorkommen kann, dass du während der Therapie Kaugummikauen musst. Bis jetzt hab ich keine Ahnung ob er es verstanden hat oder nicht. Das wird sich dann in den Therapien zeigen.

Toll, war, dass das Patensystem hier wirklich gut funktioniert. Es gab einen kleinen Hickup, weil das Patientenmanagement kurzfristig mein Zimmer änderte und so hatte ich dort kein Namensschild. Aber was soll´s. Die Führung durchs Haus war super und ich konnte sogar zwei neue Dinge erfahren, die ich davor nicht wusste. Zum einen, wo der Staubsauger ist falls man sein Zimmer mal selber saugen will und zum anderen, dass es einen zusätzlichen Raum gibt in dem man seine Wäsche aufhängen kann. Dank Patensystem fühlt man sich gleich viel willkommener. Man bekommt den Kerngruppenraum gezeigt und die wichtigsten Dinge erklärt. Zudem hat man eine Ansprechperson falls man in den nächsten Tagen noch was braucht.

Ganz toll ist, dass ich hier wieder einen Mitpatienten treffe, den ich bereits vom letzten Aufenthalt her kenne. Wir treffen uns wenn ich mit schreiben fertig bin und quatschen mal eine Runde. Das wird wohl etwas länger dauern…

Suizidversuch

Achtung Trigger!!

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Vor meinem Suizidversuch:

Ich weiß nicht so recht wie ich diesen Beitrag anfangen sollt. Wie ich zu Papier bringen sollt wie es gerade in mir aussieht. Düster, dunkel. So sieht es aus. Gerade hasse ich meine Ptbs. Hasse meine Eltern dafür was sie mir angetan haben. Ich mag einfach nicht mehr. Nicht mehr leiden. Nicht mehr kämpfen. Ich hab keine Kraft mehr dafür. Hab nicht einmal Kraft um mit meinen geliebten Hunden täglich ihre Runden zu gehen. Ohne meinen Mann wäre ich nicht in der Lage Hunde zu haben. Daher ist ein gutes Netzwerk gerade bei psychischen Erkrankungen so wichtig. Aber das nur am Rande.

Wie so oft schon stelle ich mir die Frage wie lang ich noch leiden soll bis es endlich genug ist? Wie lange? Manche behaupten Ptbs sei gut heilbar. Echt? Davon merke ich nichts. Im Gegenteil es wird immer schlimmer. Ich mache jetzt schon seit 10 Jahren Therapie. Angefangen habe ich mit 2 mal pro Woche. Nach einiger Zeit haben wir es dann auf einmal pro Woche reduziert. Inzwischen bin ich so 1-2 mal pro Woche bei meiner Thera. Wieviele Stunden das inzwischen sind dürft ihr euch selber ausrechnen. Ich kann nur sagen, es sind verdammt viele. 6 Jahre lang ging es nur darum zu stabilisieren. Irgendwann sollte ich ja auch stabil genug sein um am Trauma arbeiten zu können. Tja, irgendwann…

Bisher sind wir nur einmal gezielt und gut vorbereitet in die Nähe des Traumas gekommen.

Vom Trauma direkt und detailliert musst ich bei der Anzeige erzählen. Einmal bei der Kriminalpolizei und dann noch einmal bei der Kontradiktorischen Einvernahme. Da war kein Therapeut dabei, der eingreifen hätte können wenn es zu viel wird und das wird es sehr schnell einmal. Man darf zwar eine Begleitperson mitnehmen, und solche werden auch zb vom weißen Ring oder dem Gewaltschutzzentrum angeboten. Doch meine Erfahrungen damit sind nicht so gut. Sollte ich so etwas noch einmal machen müssen, dann nur wenn meine Therapeutin dabei ist und eingreift wenn sie merkt wenn es mir zu viel wird. Denn in der Sitation bin ich selber nicht mehr in der Lage Stop zu sagen.

Doch das Leben steht in der Zwischenzeit leider auch nicht still. Ich hatte einige Auf und Abs. Mehr Tiefs als Hochs. Schon „Kleinigkeiten“ bringen mich völlig aus dem Gleichgewicht. Das kann die Krankenschwester sein, die mich von oben herab behandelt. Der Casemanager für den ich nur eine Nummer in seinem Job bin. Die Hilflosigkeit und das Gefühl dem Gutdünken eines anderen Menschen ausgeliefert zu sein wenn wieder ein Gutachten ansteht. Bei der medizinischen Reha ist das jedes Jahr. Plus einmal pro Jahr (wenn sie lustig sind auch öfters) ein Kontrolltermin bei dem Arzt in der Krankenkasse. Wobei das ein Allgemeinmediziner ist und kein Psychiater, also auch null Ahnung von Ptbs hat! Was andere nur einen Tag ärgert bringt mich für Wochen durcheinander. Sorgt für heftige Gefühlswechsel und führt zu Flashbacks. Ganz toll sind die ohne Bilder, bei denen man plötzlich von dumpfen Gefühlen überwältigt wird und keine Ahnung hat woher der Scheiß denn nun wieder kommt.

Selbst wenn man weiß woher es kommt – Trauma – Vergangenheit – bla – macht es das auch nicht leichter. Ich hab in meiner Therapie sogenannter Skills gelernt. Das sind Dinge, die man machen kann um sich abzulenken. Also zb etwas extrem saures Essen, auf eine Chillischote beißen, an einem Duftöl schnuppern oder Musik hören, barfuß gehen, einen lustigen Film anschauen. Das funktioniert mal mehr, mal weniger gut. Derzeit eher weniger gut. Im Prinzip bin ich die ganze Zeit am skillen. Das beschäftigt mich zwar eine gewisse Zeit, aber besser wird es dennoch nicht.

(Nach meinem Suizidversuch)

Ich hatte schon 4 verschiedene Therapeuten, wobei ich bei zwei überzeugt war, dass sie gut sind. Ich war schon 6 mal in einer Klinik wegen der Ptbs. Und jetzt schon wieder.

Die Erkrankung entreißt mir die Freude, die noch vor Jahren gehabt hätte. Und es wird immer weniger. Ich kann mich über immer weniger richtig freuen. Wenn mir so was auffällt frage ich mich, ob hier der Selbstsschutz zum tragen kommt und das Erleben der Gefühle allgemein voll gedämpft wird. Ich hab das Gefühl in der Gefühlslosigkeit zu versinken. Dieses schwere stinkende Zeug zieht mich einfach immer tiefer runter.

Derzeit plane ich meine Tage von einem Tag zum nächsten. Manchmal auch nur von einer Stunde zu nächsten. So ist es leichter und erträglicher für mich, denn dann kann ich mir einreden, dass ich die schlimmen Phasen nur kurz aushalten muss und es dann schon wieder besser wird. Das mal von der großen Perspektive zu betrachtet macht es noch schrecklicher. Seit September letzten Jahre geht es mir schon so mies, dass ich für eine Stabilisierungphase für 10 Wochen nach Bad Honnef hätte sollen. Tja, ich war dort, wurde sehr mies behandelt, es ging mir hinterher noch schlechter als davor und ich habe es gewagt den Aufenthalt abzubrechen.

Seither ging es nur weiter abwärts. Ich hielt noch bis Dezember aus und startete da meinen zweiten Suizidversuch. Ich war am verzweifeln. Nichts wurde besser, alles immer nur schlechter und zusätzlich habe ich das Gefühl, dass sie mir auch in der Klinik nicht wirklich helfen könne In. Doch ich kam im Innsbruck auf die Geschlossene und wurde dann möglichst schnell nach Kufstein weitertransferiert. Dort bin ich 2 Wochen geblieben, hab brav bei den Therapie mitgemacht, aber es ist nichts besser geworden und dennoch haben sie mich wieder als „nicht selbstgefährdet“ entlassen.

Eine Zeit lang ging es halbwegs und dann brach ich wieder zusammen. Diesmal hab ich frühzeitig Bescheid gegeben, so dass ich bereits zwei Tage später in der Klinik in Salzburg auf der Suizidpräventationstation ein Bett bekommen habe. Der Aufenthalt dort war auch mäßig. Ich hatte zwar einmal pro Tag  30 Minuten Einzelgespräch mit einem Klinischen Gesundheitsprychologen und das wars. Zudem soll ich das Thema Trauma ausgrenzen, da sie dieses hier nicht bearbeiten können. Na  gut. Mal eben den größten Teil warum es mir so schlecht geht außen vor gehalten, aber ganz drum herum sind wird dann doch nicht gekommen. Auch hier wurde ich wieder frühzeitig entlassen und es lag laut dennen keine Selbstgefährdung mehr vor. Obwohl ich ihm im Abschlussgespräch ganz offen gesagt hatte wie schlimm die Suizidgedanken tatsächlich noch sind. Es wurde nicht erst genommen.

Ein paar Monate habe ich mich weiter gequält. Von Stunde zu Stunde, bloß nicht zu viel vorplanen. Ich hab geskillt ohne Ende und versucht es einfach auszusitzen in der Hoffnung, dass von alleine wieder besser wird. Ich hab auch mit meiner Thera darüber geredet, aber sie hatte auch keine Lösung die es besser machen hat.

Irgendwann war es dann so weit. Ich beschäftigte mich mit Medikamente und deren tödlichen Dosen. Dass es wie davor Tabletten werden würde was eigentlich immer klar gewesen. Aus dem simplen Grund, dass ich mit meinem Suizid nicht unnötig mehr Leute ins Leid stürzen möchte als nun ich mit einem Suizid nun mal mache. Das bedeutet, dass es für mich keine Option ist sich die Pulsadern aufzschneiden. Ich hab genug schlimme Einsätze von meinem Mann zu dem Thema erzählt bekommen. Als  weitere Hemmschwelle habe ich mir die Handgelenke mit wichtigen Symbolen tatoowieren lassen, das soll zusätzlich sicherstellen, dass ich durch die Bilder nicht durchschneide. Ich lehne es ab andere Menschen durch meinen Freitod zu traumatisieren, also werde ich mich nicht vor ein Auto oder einen Zug werfen oder eben von einem Gebäude springen. Das macht alles eine ziemliche Sauererei und kann traumatisierend für den sein, der mich so findet. Also blieb mir nur die Option Medikamente über.

Ich hab beim ersten mal auch den klassischen Fehler gemacht alles zu nehmen was ich im Haushalt habe, wobei vieles davon Benzos und andere Psychopharmaka waren. Den Cocktail habe ich mit einer Flasche Alkohol getrunken. Mein Ziel war es friedlich einzuschlafen und erst zu spät entdeckt zu werden.

Tja, der Plan ging nicht so auf und da mein Mann selber Notfallsanitäter ist hat er schnell die Rettung gerufen, als er bemerkte dass ich nicht mehr richtig ansprechbar war. Ich kam über die Notaufnahme schnell in die Intensivstation und von dort aus in die Geschlossene Psychiatriestation. Dort war es die Hölle. Zu wissen, dass im Gebäude gegenüber der Täter arbeitet und jederzeit reinschneien kann ist echt die Hölle. Daher hat mich mein Mann auf Revers und gegen den Willen der Ärzte mitgenommen. Im Anschluss bin ich dann Stationär nach Kurfstein und als es wieder schlimmer wurde nach Salzburg.

Jetzt war/ bin ich wieder vor der selben Entscheidung gestanden. Fragen wie, Wie groß ist mein Leidensdruck? Wie lange halte ich das noch aus? Will ich noch leben? Was passiert mit… wenn…? Sind mir immer wieder durch den Kopf gegangen. Ich habe dann beschlossen Vorbereitungen zu treffen, Medis zu kaufen, zu bunkern und mir mal die eine Woche anschauen wie sie läuft und dann zu entscheiden. Ich war total am verzweifeln. Normalerweise bin ich sehr dafür dass man über alles reden soll, da ich denke dass darüber reden oft auch schon etwas hilft. Doch diesmal konnte ich nicht darüber reden. Ich wusste nicht mit wem. Ich wusste nicht wie und ich war selber von mir genervt und auch genervt davon, dass ich wieder am selben Punkt stand wie im Dezember. Nichts machte mir mehr wirklich eine Freude. Oder ich spürte sie nicht. Ich fühlte mich einsam und allein. Irgendwo hab ich gelesen, dass man zuerst einmal noch die schönen Dinge im Leben machen sollte bevor man sich entscheidet sich umzubringen. Also hab ich mir abends um 9 Courdon bleu bestellt und mit ein paar Freunden ausgemacht. Selbst die schönen Dinge konnte ich nicht wirklich genießen oder irgendwie festhalten. Es hat mich alles gleich wieder ins tiefe schwarze Loch gezogen. Es ist wie ein klebrige Soße, die an mir haftet und nicht abzubekommen ist.

Am Samstag war es dann so weit, dass ich es nicht mehr länger ertragen hatte. Ich hatte mich natürlich davor schon schlau gemacht was die tödliche Dosis von dem Medikament ist, was passieren wird, wie lange es dauert bis die Leber komplett versagt und was wäre wenn ich doch noch rechtzeitig gefunden werde. Es stand, dass einem übel wird und man Bauchweh haben wird, was aber am zweiten Tag wieder besser werden sollte. Das Medikament zerstört im Prinzip die Leber und wenn man es lang genug aushält, dann können sie auch anschließend in der Klinik nichts mehr tun außer eine neue Leber zu transplantieren.

Es waren echt viele Tabletten nötig, ich hatte 3 ganze Packungen zu je 60 Stück vor mir liegen. Das schwierigste war sie zu schlucken. Ich hab dafür gut 1 Stunde und 2 Liter Wasser gebraucht und dann musste ich mal etwas Pause machen. Ich hab mich ein wenig hingelegt und dann später noch weitere Tabletten genommen. Da war ich dann aber schon so weit, dass es mich bei jeder Tablette gewürgt hat und ich kurz davor war zu erbrechen.

Nach ca 3 Stunden setzte die Übelkeit ein. Ich hab mich also mit einem Kübel auf die Couch gelegt, da das vor der Kloschüssel so unbequem war. Irgendwann am Abend hab ich dann auch zittern und krampfen und erbrechen angefangen. Es sind keine Tabletten mehr hochgekommen, aber ein bisschen Nahrung und viel Magensäure. So ging es die ganze Nacht durch. Ich zitterte, krampfte, mir war heiß und dann wieder eiskalt und ich hab mir regelrecht die Seele aus dem Leib gekotzt. Ich sah dann auch so elend aus wie ich mich davor psychisch bereits gefühlt hatte.

Als morgens mein Mann vom Nachtdienst nach Hause kam, war er total erschrocken wie schlecht ich ausgesehen hab. Ich war komplett gelb im Gesicht. Man hat das Leberversagen bereits bemerkt und dass es ab da ein Wettlauf mit der Zeit ist hat er schnell kapiert und den Notruf getätigt.

Ich war zu dem Zeitpunkt schon so fix und fertig dass mir alles egal war, so lange ich nicht mehr kotzen musste. In der Klinik waren sie erst mal erstaunt über die hohe Dosis und noch bevor ich das Gegengift angehängt bekommen hatte, kam der Leberspezialist und klärte mich über eine Lebertransplantation auf. Denn bei der Dosis kann leicht sein, dass die Leber eingeht und ich dann akutes Leberversagen habe. Logischerweise habe ich eine Lebertransplantation abgelehnt.

Mit dieser Info haben sie mich weiter auf die Intensivstation verlegt. Erst dort habe ich zum ersten mal Paspertin gegen die Übelkeit bekommen. Dort gab es dann auch recht bald noch mal ein Gespräch mit der Ärztin und dem diensthabenden Psychiater. Weil sie vom Schlimmsten ausgegangen sind haben sie auch auf einen Streich alle Medikamente, die ich regelmäßig nehmen muss abgesetzt. Eine sehr kritische Entscheidung, das ich eh schon mies drauf war und dann noch einen Antidepressiva-, Neuroleptika und Benzodiazepin-Entzug machen musste. Alles Medikamente die man niemals aprupt absetzen sollte, sondern langsam ausschleichen muss.

Tja, so sieht es derzeit aus.

Ich bin nicht froh, gerettet worden zu sein. Ich wollte ganz klar sterben. Ich war allerdings froh als ich endlich was gegen die Übelkeit bekommen habe.

 

Ich erzähle das so offen, weil ich anderen Betroffenen zeigen möchte, dass sie nicht alleine sind. Zudem hoffe ich, die Leute auf das Thema zu sensibilisieren, mal etwas genauer hinzusehen. Falls jemand Fragen hat, dann darf er diese gerne stellen.

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neuer Casemanager durch die Krankenkasse

Auch ich komme an dem Thema Krankenkasse leider nicht drum rum. Der vorherige Betreuer hatte ziemlichen Druck aufgebaut, dass ich ja laut Gutachten von der PVA (das ich nie gesehen hatte) einen mehrwöchigen Klinikaufenthalt machen muss. Ich wäre ja in Bad Honnef gewesen, aber habe es dann zum Wohle meiner Gesundheit abgebrochen. Blöd, weil die Ärztin Dr Fellner von Bad Honnef hatte mir versprochen, dass sie den Arztbericht alles nötige schreiben werden und es ja nicht in ihrem Sinne ist ihren Patientinnen eine reinzuwürgen. Dankeschön, nachdem ich den Brief erst gar nicht erhalten hatte, nachrennen musste und ihn jetzt schlussendlich über meine Ärztin bekommen hab, musste ich feststellen, dass er so gar nicht dem entspricht was dort vorgefallen war. Mit keinem Wort wird erwähnt was das Problem für meinen frühen Aufbruch war. Nirgends wird erwähnt, dass sie trotz vorheriger Absprache Ylvi doch nicht mehr überall mit durfte. Was eine massive Einschränkung für mich dargestellt hat. Am besten wäre es Ylvi würde nur am Zimmer bleiben und ich soll dann zwischen den Therapien mit ihr spazieren gehen. Nein, danke, aber dafür habe ich keinen Assistenzhund und es war anders vereinbart! Dass sie mich krampfend am Zimmer liegen haben lassen und niemand vom Pflegepersonal gekommen ist, ist der nächste Grund warum ich dort schnell wieder weg wollte. Sie haben mich mit dissoziativen Krampfanfällen alleine gelassen. Ich hatte sie vorher bereits darauf hingewiesen, dass ich es habe und wie die Hilfe auszsehen hat. Doch ihnen war es zu umständlich mir von der Station eine Schwester zu schicken. Denn ich war in einem ganz anderen Gebäude untergebracht gewesen. Wortwörtlich wurde mir gesagt, dass sie doch nicht jedesmal über die Straße zu mir kommen können wenn etwas ist. Ja, dass das umständlich ist war mir klar. Dann hätten sie mir halt ein Zimmer auf der Station geben müssen. Oder eine andere Lösung finden, aber so dass es gewährleistet ist, dass ich Hilfe bekomme wenn ich Krampfanfälle habe! So viel zu der Traumaklinik in Bad Honnef.

Der Casemanager den ich hatte, für den war ich nur eine Nummer und das hab ich so richtig gespürt. Ich hatte ihm erklärt, dass ich den Arztbrief nicht habe aber dran bin ihn zu bekommen. Doch er redete stur weiter, ich muss den bringen, muss dranbleiben, sie brauchen den. Ich konnte nur noch sagen, dass ich eh mein bestes gebe, mehr wie öfter anrufen und nachfragen kann ich halt auch nicht machen.

Irgendwann wurde es mir einfach alles zu viel. Er drückte mir nur aufs Auge was ich alles zu tun habe und es interessierte ihn null, ob ich da eh schon dran bin oder ob es gar nicht an mir liegt dass ich da nichts bringen kann. Also hab ich nach einem neuen Betreuer gebeten. Wohlwissend, dass es noch übeler kommen kann. Denn schlimmer geht immer.

 

Eine Woche später stand der Termin beim neuen Berater fest und ich hab schon mal vorsorglich meinen Mann gebeten mich zu begleiten. Das war ein großes Glück. Denn ich musste zusätzlich noch zur Chefärztin hoch, da diese noch mit mir reden wollte. Mir war eh schon übel und geschwitzt hab ich. Das ganze Gespräch bekomm ich nicht mehr zusammen, die zwei waren ein eingespieltes Team und haben sich die Wörter nur so zugeworfen. Etwas zu erwiedern oder zu korrigieren war nicht möglich. Als erstes haben wir mal geklärt, dass ich wieder eine Psychotherapeutin habe und diese regelmäßig sehe, ebenso wie mit meiner Psychiaterin. Dann hakten sie noch nach, ob ich ja alles in meiner Macht stehende tue damit es besser werde. Denn ich sei schon so lang in medizinischer Reha, jetzt muss es endlich mal besser werden. Ich dachte nur „dein Wort in Gottes Ohr“ welcher Gott war mir egal. Die Chefärztin hat sich in meinen Augen in dem Gespräch gleich zu Beginn heftigst disqualifiziert. Denn sie meinte, dass ich zu meinem Zustand nicht Krampfanfall sagen darf, da es kein epileptischer Krampfanfall war. Dass die Diagnose von der Notaufnahe Dissoziative Krampfanfälle lautet, war ihr egal. Dann schoß noch der Betreuer den Vogel ab in dem er meinte, dass ich ihm ja jetzt eh vertraue ( wir hatten gerade mal 10 Minuten miteinander gesprochen. Aber ja klar, wenn du es sagst, dann vertraue ich dir. Ich hab zwar nie Urvertrauen erleben dürfen und es waren die Leute denen man normalerweise vertrauen kann, nämlich die Eltern, die mir die schlimmsten Dinge angetan haben. Aber hej, nur weil du das gesagt hast kann ich dir jetzt voll vertrauen. (Achtung Sarkasmus) Packt die Hutschpferde aus, das Leben wird wieder schön werden.

Fazit: Es sitzen da stinknormale Hausärzte als Chefärzte drinnen und entscheiden einfach so was man machen muss und was gut wäre OBWOHL sie sich nicht auskennen! Nicht einmal Ansatzweise, was Ptbs ist, woher es kommen kann, wie die Symptome so sind, was die Schwierigkeiten sind. Nichts. Und so was entscheidet ob ich weiter Therapie gehen darf oder nicht und ob ich einen Klinikaufenthalt benötige oder nicht.

Letzte suizidale Krise, war ich eh nur 3 mal stationär und wurde ich ohne Besserung entlassen. Aber nein, ich wirke ihnen noch zu fit. Ich glaub bei denen müsste ich echt mit dem Kopf unterm Arm daherkommen, damit die endlich mal verstehen, dass es mir schlecht geht. Eine so unsichtbare Erkrankung zu haben nervt echt gewaltig!!!

Also hab ich meinem Casemanager eine Mail geschrieben:

Sehr geehrter Herr ......
Meine Ärztin war so freundlich und hat mir den Befund von Bad Honnef zukommen lassen.

Zudem möchte Sie und die Ärztin noch darauf hinweisen, dass es sich um dissoziatve Krampfanfälle handelt, auch wenn es keine Epilepsie ist (was du Ärzte nur mit Hilfe von einem EEG unterscheiden können) so handelt es sich dennoch um Krampfanfälle, die ich zum Teil bei vollem Bewusstsein mitbekomme und ja, das ist sehr schmerzhaft. Anbei der entsprechende Befund eines Neurologen, der mich bei so einem dissoziativen Krampfanfall in der Notaufnahme gesehen hat. Nein, EEG wurde da keines gemacht, somit kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich nicht doch um epileptische Krampfanfälle handelt.

Wie ich schon in dem Gespräch ausgeführt habe, mache ich alles, das in meine Macht steht, damit es mir besser geht. Sie können mir glauben wenn ich sage, dass ich selber am meisten unter der Erkrankung leide. Ich kann trotz den 3 verschiedenen Medikamente nicht richtig schlafen. Liege meist bis 3 Uhr morgens wach und wenn ich mal schlafe wache ich immer wieder auf. So Dinge wie Haushalt machen schaffe ich zum Teil nicht weil ich dann nach kurzer Zeit wieder so erschöpft bin. Gerade die schwergradige Depression hat mir in den letzten Monaten sehr zu schaffen gemacht. Ich bin ständig erschöpft, habe kaum Kraft bzw Engerie um auch nur irgendetwas zu machen. Jeder Schritt und jeder Handstreich ich ein Kampf. So einfache Dinge wie aufstehen und duschen gehen erschöpfen mich schon so, dass ich mir anschließend nicht mal mehr etwas zum essen richten kann. Und das ist nur ein kleiner Teil von den Symptomen einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung.

21 Jahre sexueller und emotionaler Missbrauch durch meinen Vater haben seine Spuren bei mir hinterlassen. Meine Thera sagt, dass jede Stunde, die ich schaffe am Leben zu bleiben schon ein Fortschritt ist.

Was mich am Gespräch noch gestört hat und was ich unbedingt loswerden möchte ist, dass ich es nicht mag wenn man mir sagt was ich zu fühlen habe. Der Mensch der mir am nächsten gestanden hat, dem ich ich bedingungslos vertrauen können sollte, der hat mir die schlimmsten Dinge angetan, die man sich nur vorstellen kann. Also nein, ich vertraue ihnen nicht nach einem 10 minütigen Gespräch nur weil sie sagen, dass ich ihnen jetzt vertraue. Nehmen sie es nicht persönlich, aber Vertrauen tu ich niemanden so leicht.

mfg. Klara Zösmayr

Zurück kam:
"Danke für die Bestätigung."

Tja, ich danke fürs lesen und wünsche mir Empathie in Dosen...

So wie hat sich das ganze auf mich ausgewirkt. Ich hatte zittrige Hände als wir drinnen waren, mir wurde heiß, 
ich hatte das Gefühl kaum Luft zu bekommen und fühlte mich eingeengt. Dazu sollte man wissen, dass ich in dem Gebäude 
bereits schon einmal von einem Kontrollarzt übelst fertig gemacht wurde  und auch die Erfahrungen mit dem Betreuer zuvor 
nicht so toll waren.
Ich also doch mutig da wieder hin. Bin im Gespräch kaum zu Wort gekommen, die haben sich so schnell die Bälle zugeworfen, 
da hatte man keine Chance was zu sagen. Ich spürte den Druck und hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. 
Zugleich bekam ich leichte fokale Krämpfe in den unteren Extremitäten. Ylvi war dann brav zur Stelle und ich bekam ein Glas 
Wasser zum trinken. Zittriger bin ich mit meinem Mann nach draußen wo sich dann der Casemanager verabschiedet hat.
Damit war das Thema aber noch nicht durch. Ich habe mich schrecklich geärgert wie unqualifiziert die Menschen sind und dass 
Halbwissen von Therapie in Dinge gedrängt werden für die sie noch nicht bereit sind und die in einem Setting mit einer 
Psychotherapeutin gemacht gehören und zwar richtig und nicht irgendwie.
Zuhause ging es nach einer Pause weiter, was ich ihnen noch gerne gesagt hätte. Ein richtiges Gedankelkarusell,
schön, nur blöd wenn man nicht mehr aussteigen kann. Inzwischen kann ich die Nächte trotz Medis und Bedarfsmedis nicht
mehr einschlafen bzw durchschlafen. Ich bin müde und fertig.


 

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It´s raining Men – oh, nö mein Mittagessen

Tja, auch ein Assistenzhund ist (leider) nicht immer zu 100% perfekt. Und weil es doch irgendwie lustig war werde ich jetzt erzählen was das Mäusemädchen heute angestellt hat.

Wir hatten zu Mittag Therapie und da bin ich mit Ylvi auch brav hingelatscht. Beide waren wir nicht sonderlich motiviert, was wohl daran lag, dass es so richtig grausig nass war. Mit etwas Mühe hatte ich am Vormittag bereits die zwei Hunde vor die Tür bugsiert. Schließlich müssen sie sich wohl irgendwann lösen – oder die Blase platzt. Na gut, vielleicht nicht platzen, aber auch so eine Überlaufblase ist nicht lustig. Weiß ich weil ich doch mal die Ausbildung zur diplomierten Gesundheits- und Krankenschwester gemacht hab – und bei denen gehört das wohl bereits zur Grundausstattung bzw bekommt man die Überlaufblase bereits während der Ausbildung. Nun gut, ich schweife etwas vom Thema ab.

Als wir endlich wieder zuhause waren, ich Ylvi mal eben wieder trockengelegt habe – und mich ebenfalls – hatte ich doch Hunger. Zum Glück war noch etwas Nudelauflauf vom Vortag da. Juhuuu. Musste ich nicht kochen. Voll motiviert, weil hungrig, versuchte ich mit der Schöpfkelle etwas davon aufzuladen. Tja, da hatte wohl jemand nicht mitgedacht….

  1. Das Teil war ja mit Käse überbacken – ergo hatte eine harte Kruste.
  2. Eine Schöpfkelle ist nicht das ideale Werkzeug um Nudelauflauf vom Vortag auf den Teller zu laden.
  3.  Wenn du es versuchst, achte darauf wie du die Kraft einsetzt um durch die Kruste zu kommen.

Tja, was soll ich sagen. Ich hatte wohl etwas zu viel Kraft und somit zu viel Schwung und verteilte den Nudelauflauf- der eigentlich für meinen Teller bestimmt gewesen wäre – ganz großzügig auf dem Küchenboden…

Ylvi stand bereits zu Beginn gut positioniert in meiner Nähe. Schließlich war ich ja in der Küche und Madame hätte ja auch nichts gegen ein frühes Abendessen.

Nun ja. Die Nudeln flogen und ich sah wie es in Ylvis Kopf zu rattern anfing. Nudeln = Essen, das was gestern schon so verlockend gerochen hatte. Gearbeitet hab ich bereits. Kenndecke ich auch keine droben. Also muss es für mich sein.

IMG_20160111_152531Und schon hechtet mein gut erzogener Assistenzhund, der bei der Arbeit auch leckeren Fisch liegen ließ, sich auf MEINE Nudeln! Nun gut, gegessen hätte ich die eh nicht mehr.

Dank Ylvi musste ich auch nicht mehr sauber machen. Der Labbi-Staubsauger hatte das bereits mit einer Gründlichkeit erledigt die jede Putzfrau vor Neid erblassen lassen würde. Sie kontrolliere auch zweimal noch nach, so dass ich genügend Zeit hatte um es mit der Kamera festzuhalten. 😉

Nur Medic war nicht sonderlich begeistert. Denn bis er in der Küche stand, war der Boden schon blank geleckt 😉

Fazit: Assistenzhunde können sehr gut unterscheiden wann sie arbeiten und wann nicht. 😉

 

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Assistenzhunde als Maschinen

Neuerlich bin ich im Internet, genauer gesagt auf Facebook, über einen Beitrag einer Betroffenen mit Assistenzhund gestoßen, der nach allen Regeln der Kunst zerlegt wurde. Da werden Dinge kritisiert wie zb dass der Hund im Beitrag mit Leckerlis belohnt wird. Und da frage ich  mich ernsthaft, ob unsere Assistenzhunde Maschinen sein sollen?

Sollen sie all ihre Aufgaben erfüllen ohne je dafür belohnt zu werden? Und warum sind so viele Leute dagegen den Hund mit Leckerlis zu belohnen? Ist es denn etwas so schlimmes wenn ich meinen Assistenzhund mit einem Leckerli belohn weil er gerade etwas toll gemacht hat? Vielleicht kann es mir jemand von euch erklären? Ich verstehe es nämlich einfach nicht.

Ich habe mit meiner Ylvi sehr viel trainiert und sogar 1 Jahr früher als geplant die Assistenzhundeprüfung abgelegt. Das bedeutet 1 ganzes Jahr weniger Training als zuerst angesetzt wurde! Ja, sie ist also ein fertig ausgebildeter Assistenzhund und dennoch belohne ich sie immer wieder mit Leckerlis. Warum auch nicht? Wenn sie arbeitet ist das etwas anstrengendes für sie, auch wenn es ihr Spaß macht. Es fordert viel Konzentration und teilweise sind es Dinge, die entgegen ihrem natürlichen Verhalten gehen. Zum Beispiel wenn auf der Straße die Überreste eines Döners liegen. Normalerweise würde sie hingehen und es fressen – ist ja schließlich Futter und riecht zudem auch entsprechend lecker (und schmeckt auch). Also übe ich mit ihr als Alternativverhalten zu  mir zu kommen. Denn dann gibt es bei mir als Ersatz etwas Leckeres. Bis das sitzt dauert es natürlich entsprechend lange – besonders bei einem so verfressenen Hund wie Ylvi nun mal ist. Es ist für sie wohl eines der schwierigsten Dinge zum lernen – zumal ich auch etwas spät damit angefangen habe und sie davor schon ein paar Erfolgserlebnisse hatte.

Also ja, mein Assistenzhund ist „fertig ausgebildet“ und dennoch nicht perfekt. In manchen Bereichen üben wir immer noch und ich finde auch immer wieder Dinge, die ich noch etwas verbessern kann oder die ganz neu hinzukommen. Zum Beispiel das Medical Training nach Anna Oblasser-Mirtl und Barbara Glatz.

Hunde zeigen nun mal ein Verhalten öfter, das sich für sie lohnt. Basierend auf diesem simplen Lerngesetz schaue ich, dass sich ihr Verhalten, zb Dissoziationen frühzeitig anzeigen oder unterbrechen, IMMER lohnt. Dies ist eine außerordentlich tolle Leistung von ihr und entsprechend möchte ich es auch fördern, dass sie dieses Verhalten immer wieder und zuverlässig zeigt. Ich werde auch nicht aufhören sie da je zu belohnen, nur weil jemand findet, dass es „nicht gut ankommt oder doof aussieht wenn ein Hund ein Leckerli bekommt“.

Ich halte mich da gerne daran wie es das Animal Training Center mit ihren Signalhunden für Diabetiker machen. Dort wird je nach Schwierigkeit der Aufgabe der Hund entsprechend belohnt. Angefangen beim normalen Trockenfutter (das Hauptfutter des Hundes), über weicheres Trockenfutter, normale Leckerlis, Leberwurst aus der Tube bis hin zum Nassfutter. Das Nassfutter gibt es dann wenn der Hund eine Hypo- oder Hyperglykämie anzeigt. Einen Teil des täglichen Futters müssen sich die Assistenzhunde also so erarbeiten.

Ich habe nicht immer so viel verschiedenes Futter mit, daher hab ich es ein bischen adaptiert. Bei einfachen Dingen wie Sitz, Platz, Fuß gehen gibt es nur ab und zu, also Lottomäßig eine Belohnung. Das sind aber auch Übungen, die Ylvi schon gut beherrscht. Dinge, die ich noch weiter verstärken möchte, weil sie einfach schwieriger für meinen Menschenfreundlichen Labbi sind zb das blocken hinter mir und dabei Menschen ignorieren die sie freundlich ansprechen und sogar locken. Das belohne ich noch regelmäßig und wenn die Menschen sie sogar locken mit einer handvoll Leckerlis. Ich weiß wie schwer ihr das fällt und ich würdige es mit der entsprechenden Belohnung. Das ist meine Möglichkeit ihr zu zeigen: „Hej, ich weiß das war schwer, aber du hast das gerade super gemacht!“

Ein weiterer Punkt warum ich immer einen Leckerlibeutel bei mir habe ist der, dass ich jederzeit die Möglichkeit haben möchte meinen Hund für tolles Verhalten zu belohnen. Für sie ist Futter etwas total tolles und für mich ist es einfach in der Handhabung. Ein Win Win für beide Seiten. Ebenso muss man Kommandos wie zb den Rückruf auch immer wieder aufladen.

Fazit ist, dass mein Hund keine Maschine ist und es auch nie sein wird. Ylvi ist in erster Linie ein Lebewesen, ein Hund, sie ist nicht immer perfekt und hat so ihre kleinen Macken an denen wir aber noch arbeiten.

Liebe anderen Assistenznehmer, lasst euch nicht von ein paar Menschen fertig machen weil sie meinen alles besser zu wissen. Lasst euch nicht verunsichern und lasst euch nicht fertig machen. Das Bild, das im Internet über Assistenzhunde gezeigt wird ist häufig ein verzehrtes. Es wird viel darüber berichtet was der Hund gerade toll macht, wo er wieder super reagiert hat. Doch die kleinen Dinge, die nicht funktionieren, über die berichtet kaum jemand.

Ich bin kein Hundetrainer und leider auch nicht so gut beim Erklären der Lerntheorie und den Grundsätzen nach denen ein positives Hundetraining funktioniert. Sollte jemand Interesse daran haben mehr zu erfahren wie was warum funktioniert dann kann ich die Facebookgruppe „Trainieren statt dominieren empfehlen“. Dort sind viele Hundetrainer vertreten und man bekommt kompetente Antworten auf seine Fragen. Des weiteren kann ich die Trainer des Netzwerkes Trainieren statt dominieren, der VHÖT, des Animal Training Centers oder von Tiere Helfen Leben empfehlen.

 

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Klinik Salzburg Teil 1

Diesmal bin ich schon einen Schritt weiter als beim letzten mal. Diesmal hab ich mir Hilfe geholt und etwas gesagt, bevor ich versucht hab mich umzubringen. Dank meinem Mann und meiner tollen Ärztin habe ich auch einen Tag später in Salzburg in einer Klinik einen Platz bekommen.

Seit Mittwoch bin ich nun stationär und obwohl ich das Gefühl habe, dass sich nichts geändert hat, so hat sich doch etwas verändert. Mein Grundproblem ist immer noch das Gleiche. Ich sehe immer noch keine besonders rosige Zukunft für mich. Auch der Versuch von meinem Therapeuten, dass ich mir eine tolle Zukunft vorstellen soll ist kläglich gescheitert. Die Gedanken mich umzubringen sind immer noch da. Ich ziehe Bilanz was sich noch positiv verändern kann und was für immer so bleiben wird – und es sieht nicht gut aus.

Viele sagen, das Ptbs gut heilbar ist. Ich frag mich echt woher diese Aussage stammt. Denn das mag auf manche zutreffen. Vielleicht bei einem Singletrauma oder einem einfachere traumatischen Erlebnis und selbst da gibt es Leute, denen es nach Jahren noch immer schlecht geht – trotz Therapie. Doch 21 Jahre lang missbraucht zu werden, 21 Jahre lang in einem vergifteten Familiensystem aufzuwachsen, 21 Jahre lang täglicher Gehirnwäsche unterzogen zu werden – wie kann man so was heilen? Die Antwort ist gar nicht.

Die 21 Jahre haben tiefe Spuren hinterlassen. Meine Amygdala ist am dauerfeueren, in ständiger Alarmbereitschaft. Die kennt es gar nicht, dass es einmal nicht gefährlich ist. Ich bin kein Wissenschaftler, dennoch gibt es einige gute Studien dazu wie sich das Gehirn nach massiven traumatischen Erlebnissen verändert. Ein Buch dazu ist dieses „Der Körper erinnert sich“ von Babette Rothschild. So was kann man nicht heilen.

Ich habe hier Wochentags jeweils 30 Minuten Einzelgespräch bei einem klinischen Psychologen. Als erstes hat er mir ihre „blaue Mappe“ gegeben. Darin ist eine Liste von Skills und Tätigkeiten, die einem gut tun können. Zudem hab ich eine Tabelle (siehe Foto) auf der muss ich einzeichnen wie stark der Leidensdruck ist  und wie stark die Suizidgedanken sind. Beides sieht man dann wie in einer Fieberkurve wie es sich über den Tag verändert. Zudem gibt es noch Felder wo ich am Ende des Tages eintrage wie stark der der Verletzungsdruck war und ob ich mich verletzt habe oder nicht, wieviel Stunden ich ca geschlafen habe, welche Skills ich eingesetzt hab, was ich am Tag so getan habe und wieviel Stunden ich Freude oder Genuss gespürt habe. Dies soll mir helfen selber einen besseren Überblick zu bekommen wie sich die Dinge verändern. Wie man an der Kurve sieht hat sich das Suizidrisiko etwas gesenkt. Ebenso hab ich gesehen, dass das Suizidrisiko zusammen mit dem Leidensdruck steigt. Beide Werte liegen immer recht nah beieinander.

Ansonsten mache ich nicht viel. Besonders das Wochende war gewaltig langweilig, denn da ist dann auf Station nichts los. Es gäbe zwar ein paar Spiele, aber bisher hab ich niemanden gefunden, der mit mir spielen würd. Vielleicht nimm ich ja mal meinen Mut zusammen und geh in die anderen Zimmer und frage dort die Leute. Ich weiß jetzt schon, dass mich das viel Überwindung kosten wird. Bisher hab ich schon 3 Bücher gelesen und 5 Filme geschaut. Dank meinem Laptop kein Problem. Internet habe ich am Handy und so kann ich auch meinen Blog weiterführen.

Hier zu schreiben hilft mir meine Gedanken etwas zu sortieren. Es ist wie eine zusätzliche Therapiemaßnahme. Ich hoffe, dass ich damit dem ein oder anderen helfen kann oder den Leuten zeigen wie es sich anfühlt mit so einer Vergangenheit zu leben, was ich so denke und wie es mir geht. Das gibt meinem Leben ein bischen einen Sinn. Und natürlich freue ich mich wenn ich immer mal wieder ein Feedback bekomme. Gerne als Kommentar bei den Beiträgen oder auch per Mail (assistenzhund-ylvi@gmx.at).

Einmal war der Druck auf der Brust und die psychischen Schmerzen so stark, dass ich beschlossen hab mich doch an die Pflege zu wenden. So was fällt mir nämlich überhaupt nicht leicht. Ich bin es gewohnt es mit mir selber auszumachen wenn es  mir nicht gut geht. Meine Strategie ist zu versuchen mich mit anderen Dingen abzulenke und sonst einfach abwarten und aussitzen. Meisten eher aussitzen.
Der Pfleger, der gerade Dienst hatte war schon etwas älter und meiner Meinung nach nicht sonderlich hilfreich. Ich hatte ihm gesagt, dass es mir gerade schlecht geht und ich meine Hunde extrem vermisse. Da meinte er, dass es ein Zeichen dafür sei, dass ich mit Menschen ein Problem habe und das auf meine Hunde übertrage. Gewünscht hätte ich mir, dass er ein bischen mit mir redet, mich vlt von meinen Hunden erzählen lässt, nachfragt, interessiert ist. Doch das war er nicht.

Er hat mir dann noch den Notfallkoffer der Station gezeigt. Da war eine Flasche Tabasocosauce, 2 Duftöle, 3 Jongleurbälle, 1 Igelball, ein Koffer mit chinesische Klangbälle, 2 Springschnüre, 1 Diavolo und ein paar Zettel. Alles in allem recht mager. Sogar meine kleine Tasche mit Skills ist größer als das… Ausgekannt hat er sich damit auch nicht wirklich. Ich hab mir also einen Ball geben lassen und bin wieder gegangen.

 

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Zeit in der Traumaarbeit

Schon lange quält es mich wann es denn endlich Zeit ist am und mit dem Trauma zu arbeiten. Ich stellte mir Fragen wie: Wann ist es endlich vorbei? Wann geht es mir wieder gut. Wie lange brauche ich denn noch Therapie? Wieviel Zeit wird mir zugestanden bis ich das Trauma oder besser meine traumatische Vergangenheit zu bearbeiten? Sicherlich bin ich nicht die Einzige, die sich mit solchen Fragen selber quält.

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Manchmal kommt der Druck von außen. Zb durch die jährlichen Kontrolltermine in der Krankenkassen, durch einen Arzt der sagt, dass es in einem Jahr wieder alles gut ist, durch Leute, die schon etwas genervt sind weil man immer noch „davon“ gequält wird. Druck machen Aussagen wie: „Lass es endlich hinter dir. Es ist vorbei. Lass die Vergangenheit, Vergangenheit sein.“ Meine Antwort auf solche Aussagen ist inzwischen die Aussage von Mark Twain: Vergangenheit ist, wenn es nicht mehr weh tut.“ Und noch tut es weh. Sehr sogar. Noch verfolgen mich die Bilder und Gefühle von damals. Intrusiv, aufdrängend und zwar dann wenn ich es nicht möchte, wenn es gerade ungünstig ist. Ich würde es ja gerne hinter mir lassen, doch „es“ lässt mich nicht. „Es“ ist wie ein Monster, das mich überfällt, sich heimlich anschleicht und dann zuschlägt. Plötzlich finde ich mich wieder in einem Kampf. Im Kampf mit den Bildern von damals, mitten in den Erinnerungen, den Gefühlen von damals. Eine gewaltige Mischung aus Gefühlen von Angst, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Traurigkeit, Verständnislosigkeit. Sie ist erdrückend und schneidet mir die Luft ab. Die Erinnerungen sind bruchstückhaft, die Bilder wie scharfe Glasscherben, die mich schneiden. Doch von außen sieht man meinen Kampf nicht. Von außen sehe ich aus wie immer. Wären die Schnitte sichtbar, wäre mein ganzer Körper ein einziges Gebilde aus Narben.

 

Bei mir kommt der Druck zusätzlich auch noch von innen. Ich möchte selber endlich mal alles überstanden haben. Ich möchte frei sein von der Symptomatik der Ptbs. Ich möchte, dass mich meine Vergangenheit endlich mal in Ruhe lässt. Ich mache inzwischen seit 8 Jahren Therapie. 8 Jahre, wo ich immer wieder das Gefühl habe es geht nichts weiter. Ganze 8 Jahre in denen ich jede Woche eine ganze Stunde an mir arbeite, zeitweise sogar 2 Stunden. Ich hatte 4 verschiedene Therapeutinnen mit 4 verschiedenen Ansätzen (jetzt die in der Klinik nicht mitgezählt). Von Imaginative Gestalttherapie, über Psychodrama bis hin zur Klientenzentrierten Therapie. Und endlich bin ich bei einer Therapeutin, die sich auf diese Art von Trauma spezialisiert hat. Das soll jetzt nicht heißen, dass die anderen nicht gut waren oder mir nicht geholfen hätten. Ganz im Gegenteil.

Gut, meine erste Therapeutin konnte man knicken. Die hat nur immer wieder alles zugedeckt und zurückgestopft sobald Erinnerungen gekommen sind und ich darüber reden wollte. Die wollte mich zwingen weiter Kontakt mit meinen Eltern zu haben und hat Inhalte der Therapie an meine Mutter weitergegeben. Gr0ßes No Go für eine Therapeutin!! Sollte jemand wissen, wo man so was melden kann, dann gib mir bitte Bescheid. Das wollte ich schon lange mal melden.

Die zweite Therapeutin war sehr gut. Damals konnte ich noch nicht wirklich über meine Gefühle sprechen und schon gar nicht über traumatische Dinge. Mir fehlten dann die Worte. Puff, alles war leer. Nicht einmal einfach Dinge wie „Bett“ oder „Badezimmer“ konnte ich aussprechen, von allem anderen ganz zu schweigen. In der Therapie hatten wir den Grundstein dafür gelegt, dass ich heute zum ersten mal mit den traumatischen Erlebnissen direkt arbeiten konnte. Hat ja auch nur 8 Jahre gedauert…  Aber das war das tolle an Psychodrama, wenn es nicht ging musste ich nicht reden. Es gab unendliche viele andere Möglichkeiten um mich auszudrücken und zumindestens indirekt mit dem Trauma zu arbeiten.

Mir fällt grad auf, dass ich immer von dem Trauma schreiben. Das ist so nicht ganz korrekt und wohl auch etwas verwirrend. Zum einen gibt es da unendlich viele Erlebnisse, die man als sexuellen Missbrauch bezeichnen kann. Dann sind das noch die Dinge, die ich eher als übergriffig einstufen würde, so Sachen wie zb mir auf den Hintern hauen oder begrapschen. Das sollte es nicht herabspielen. Selbst wenn es „nur“ das gewesen wäre, dann wäre das auch schon genug! Und dann kommt noch die ganze Palette von emotionalen Missbrauch dazu. Sprich das Ganze drumherum, das den sexuellen Missbrauch erst möglich gemacht hat. Die Kaltherzigkeit meiner Mutter zb, das Gefühl, dass ich nie was wert war oder nicht beachtet wurde, das mir einreden ich könne meiner eigenen Wahrnehmung nicht trauen. Auch das alles war schlimm. Es gibt also noch viel mehr Traumen in meiner Vergangenheit als nur den sexuellen Missbrauch.

Wieviel Zeit braucht es also bis ich 21 Jahr von emotionalen und sexuellen Missbrauch aufgearbeitet habe?
Die Antwort wird den wenigsten gefallen.
Ich werde wohl mein ganzes Leben lang Therapie brauchen. Vielleicht nicht durchgehend, vielleicht eine Zeit nur einmal pro Monat, vielleicht auch mal ein paar Jahre gar nicht. Genau sagen kann das niemand.
Die Vorstellungen, dass man bei so was ein paar Jahre Therapie macht und dann ist alles wieder gut, sind leider unrealistisch. So leid es mir tut. Wer weiß, ob es überhaupt jemals einen Zeitpunkt geben wird bei dem „alles gut“ ist.

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Erste Nacht in der Klinik

Was für eine Nacht. Wie in der ersten Nacht bin ich immer wieder wach geworden. Mein ganzes System ist in Alarmbereitschaft – mehr als es das sonst eh schon ist. Ich teile wir ein Zimmer mit 3 anderen Frauen, Einzelzimmer wär mir lieber und ich würde mich auch etwas sicherer fühlen. Was bedeutet, dass ich wenigstens etwas mehr schlafen könnte.

Besonders schlimm für mich war es diese Nacht. Ich vermisse meine süße Maus so schon. Doch mit ihr hätte ich niemals so schnell einen Platz in einer Klinik bekommen. Die Lösung jetzt war auch nur über Kontakte möglich.

Ich hatte heute Nacht wieder mal einen heftigen Alptraum. Es war so realistisch, ich hab die Hitze gespürt und richtig gespürt wie die Flammen mich verbrennen, wie heiß sie sind und wie meine Haut durch die Hitze Blasen wirft. Doch diesmal ist kein Hund gekommen und hat mich geweckt. Als ich endlich wach wurde war da kein warmer Hundekörper eng an mich gedrückt. Keine feuchte Nase hat mich angestubst und ich konnte kein feines Hundefell streicheln.
Es dauerte bis ich wusste wo ich war. Bis mein Körper realisierte dass da kein Feuer ist und ich nicht verbrenne.
Wieder einmal ist mir so richtig bewusst geworden wie viel mir Ylvi eigentlich hilft.

Suizidgedanken – was tun?

Nachdem ich letztens so einen langen Beitrag darüber geschrieben habe wie es mir mit meinen dunklen Suizidgedanken ging möchte ich euch noch etwas in die Hand geben was man dagegen tun kann. Entweder für einen selber oder aber für einen Freund, der sich euch anvertraut hat.

Auch wenn Suizidgedanken selber sehr ähnlich sind, so sind die Dinge, die helfen oft doch ganz unterschiedlich! Ich schreibe hier von Dingen, die mir geholfen haben oder von denen ich weiß, dass sie wem anderen helfen.

Als erstes zu den Skills, die kann man selber durchführen oder auch andere anleiten bzw daran erinnern diese zu machen:

Realitätscheck: Dabei zählt man Dinge auf, die man in seiner Umgebung sieht. Zb seh ich meine Decke mit den Schneemännern drauf, einer trägt einen grünen Schal und hat eine gelbe Mütze auf. Dann seh ich die Fernbedienung der Xbox, die hat einen roten, einen gelben, einen blauen und einen grünen Knopf. Dann seh ich ein braunes Bücherregal, darin stehen …. hier zähle ich alle Büchertitel auf. Man sollte das ganze laut vor sich hersagen, oder alternativ seinem Haustier erzählen. Der Sinn ist, dass man die Übung möglichst lange macht damit das Gehirn aus dem Hamsterradmodus wieder herauskommt.

Dann gibt es da noch das Rückwärtsbuchstabieren. Man sucht sich ein Wort aus und buchstabiert es rückwärts. Der Sinn liegt wieder darin dem Gehirn ein paar andere Infos zukommen zu lassen von den dunklen Gedanken weg zu kommen. Auch diese Übung sollte laut ausgesprochen werden.

Die Übung der innere Tresor ist auch eine, die gut funktioniert um mal Sorgen und Probleme für eine gewisse Zeit wegzupacken. Allerdings sollte man die Übung vorher oft genug im Alltag üben damit sie dann bei gröberen Dingen auch wirklich funktioniert. Ich hab hierfür zb mein Sorgenfresserchen Nelly.

Prinzipiell sollte man sich ab und zu auch was Gutes tun. Das kann eine Duftkerze sein oder ein Parfum das man sehr gerne mag. Ich persönlich mag die „Engelsdüfte“ (ja esoterisch) sehr gerne weil sie gut riechen, aber nicht zu stark sind wegen den Hunden.

Es gibt auch einen tollen Badezusatz bei dm von Kneipp der „glückliche Auszeit“  heißt und angenehm müde macht. So kann man schneller einschlafen und hat erst gar keine Zeit auf blöde Gedanken zu kommen.

Man kann sich in der guten Zeit noch eine CD/Playliste mit Gute Laune Musik machen und die dann anhören. Oder sie sich von Freunden zum Geburtstag/ Weihnachten wünschen. Einfach die CD einlegen und laut aufdrehen und in meinem Fall dann noch laut und falsch mitsingen. Dazu kann man auch gerne tanzen und den Körper wieder etwas in Bewegung bringen.

Vielleicht hat man auch ein Lieblingsbuch im Bücherregal stehen, dass man dann liest und das einem gute Laune macht?

Ein guter Tipp ist sich im Vorfeld ein Buch anzulegen in dem man schöne Dinge/Erlebnisse festhält. Entweder schriftlich oder mit kleinen Fotos (kann man heutzutage in jedem dm ausdrucken). Dieses Buch schaut man sich dann an wenn es einem schlecht geht.

Es gibt auch auf Facebook eine tolle Seite „Cutness overload“ auf der nur lustige Videos und süße Bilder geteilt werden. Die hilft mir auch an schlechten Tagen.

Ich hab mir noch ein Malbuch für Erwachsene besorgt. Denn malen lenkt auch ab und frei zeichnen bin ich nicht so gut. Man kann auch Mandalas ausmalen. Im Internet ist da ja einiges zu finden.

Manchen Menschen ist auch die Religion und deren Glaube eine große Hilfe und man kann sich an einen ruhigen Ort zurückziehen und beten oder meditieren.

Ich löse dann auch gerne Sudoku am Handy oder spiele diverse andere Spiele wie zb Block! Hexa oder brainwars.

Bei mir hilft es auch wenn ich die Hunde einpacke und mit ihnen in den Wald oder auf die Felder spazieren gehe. Alternativ kann man auch Tricks mit ihnen lernen oder was sinnvolles wie Medical Training üben. Das geht übrigens auch mit Katzen sehr gut.

Was man auf jeden Fall tun sollte ist mit seinem Therapeuten oder Psychiater darüber reden. Der Arzt kann im Fall des Falles Medikamentendosierungen anpassen oder eben auch Notfallmedikamente geben, die helfen innerlich ein wenig Distanz zu bekommen. Zudem kann man gemeinsam Strategien entwickeln die einem in dieser Situation helfen. Häufig vergisst man nämlich selber auf die Skills die man so hat.

Was mich auch schon zu dem nächsten Punkt bringt wie man seinem Freund bei Suizidgedanken helfen kann.

Wichtig ist, dass Suizidgedanke seltenst klar als solche ausgesprochen werden! Aber es gibt ein paar Phrasen bei denen man aufhören sollte und genauer nachfragen:

  • Es hat alles keinen Sinn mehr.
  • Ich kann einfach nicht mehr.
  • Es ist alles zu viel.
  • Manchmal würd ich gerne ewig schlafen.
  • Kümmere dich um ….

Viele Leute die Suizidgedanken haben wollen eigentlich gar nicht tod sein. Sie wollen nur, dass das schlimme Gefühl oder ähnliches Aufhört. Die Gedanken engen sich dann ein und werden düster und der Druck „es“ zu tun wird immer schlimmer. Sie sehen keinen anderen Ausweg mehr.

Was könnt ihr also tun?

Offen und ehrlich sein. Sagt ihm offen, dass ihr euch Sorgen macht er könnte sich was antun. Hört demjenigen zu was seine Sorgen und Probleme sind. Ihr werdet sie nicht alle lösen können, aber es tut oft schon gut wenn man jemanden hat der einem zuhört.

Fragt nach, ob es einen behandelnden Arzt oder Therapeuten gibt. Falls ja dann sorgt dafür, dass dieser auch informiert wird und von den Suizidgedanken erfährt. Wenn es nötig ist könnt ihr auch anbieten, dass ihr den Anruf für den Betroffenen macht. Der Arzt bzw Therapeut kann oft besser einschätzen wie schlimm die Lage wirklich ist und ihr seid nicht alleine mit der Situation.

Sollte euer Freund keinen Arzt oder Therapeuten haben, dann ruft gemeinsam bei der Telefonseelsorge an. 142 aus ganz Österreich. Dort sitzen kompetente Leute, die euch gerne helfen wie ihr weiter tun könnt.

Fragt nach wie konkret die Suizidgedanken sind. Sollten sie bereits konkrete Handlungen umfassen, dann fackelt nicht lange rum. Ihr könnt noch mit ihm reden ob er freiwillig in die Klinik fährt (mit der Rettung), aber dann begleitet ihn bitte oder ob er zwangseingewiesen werden muss (mit Polizeibegleitung). So eine Zwangseinweisung ist nicht lustig, aber in manchen Fällen einfach nötig.

Oft sind die Betroffenen ganz froh wenn sie von jemand anderem bestätigt bekommen wie schlimm es wirklich ist und dass ein Klinikaufenthalt dringend nötig ist. Gebt nicht gleich beim ersten Nein auf. Bitte nehmt denjenigen auch ernst wenn er Probleme mit einer bestimmten Klinik hat. Wenn es möglich ist begleitet ihn auch, das macht es oft einfacher. Zudem könnt ihr dem Arzt auch eure Sicht der Dinge schildern.

Manches mal ist es wie bei einem kleinen Kind, man muss es an die Hand nehmen und bestimmt sagen, dass man das jetzt so macht. Ein besserer Vergleich fällt mir gerade nicht ein. Wie gesagt, sind die Leute häufig froh Hilfe zu bekommen und auch froh, dass jemand die Entscheidung Klinik ja oder nein abnimmt. Weil ehrlich gesagt niemand geht gerne oder freiwillig in die Klinik.

Ihr könnt euerm Freund auch helfen indem ihr die Versorgung der Haustiere übernehmt oder wen dafür findet, der es macht. Aktiviert auch andere Freunde von ihm, dass er akut in die Klinik muss und eben Hilfe benötigt. Ich würd nicht jedem sagen, dass es wegen Suizidgefahr ist.

Sollte ein Partner dabei sein, dann unterstützt bitte auch ihn. Bringt ihm was zum essen vorbei, helft ihm bei der Versorgung der Haustiere oder bei der Arbeit im Haushalt. Fragt nicht lang, macht einfach. Er wird froh drum sein.

 

 

 

 

 

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Wenn es nur noch einen Ausweg zu geben scheint

Dieser Beitrag fällt mir nicht leicht zu schreiben, da er sehr intim ist. Ich habe lange überlegt ob ich ihn überhaupt schreiben soll. Vielen wird es unangenehm sein es zu lesen und gerade Leute in meinem näheren Umfeld werden dann nicht wissen wie sie mit mir umgehen sollen.

Für alle Betroffenen *TRIGGERWARNUNG*

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Eigentlich geht es mir schon seit Ende Frühling/ Anfang Sommer nicht wirklich gut. Ich wurde immer instabiler. Was für andere Menschen Kleinigkeiten sind waren für mich große Sachen. Meine Ärztin hat mir jetzt schon mehrfach erklärt, dass das an der Erkrankung liegt und daran was ich bereits alles durchmachen musste. Daher bringen mich Kleinigkeiten leichter aus der Fassung, machen mich instabiler und beeinflussen mich massiver. Ich könnte da jetzt auf das Gehirn eingehen und dass die Amygdala eh schon auf Dauerfeuer steht und mein Körper sich in ständiger Alarmbereitschaft befindet, aber darum soll es in dem Beitrag nicht gehen.

Bisher haben mir meine Hunde und besonders Ylvi sehr geholfen. Auch wenn mich die Depression wieder fest im Griff hatte und sonst nichts mehr funktionierte – kein Einkaufen gehen, keine Hausarbeit, kein kochen, zum essen musste ich mich zwingen, usw – so bin ich doch tagtäglich aufgestanden und eine Runde mit meinen Hunden gegangen. Ich hab sie so gut es mir ging ausgelastet, hab Leckerlisuchen im Wald gemacht und für zuhause einen Wobbler gekauft, Intelligenzspiele gemacht und mit ihnen trainiert. Es war nicht einfach und ich hatte ständig ein schlechtes Gewissen ihnen nicht genug Bewegung bieten zu können. Jeder Schritt und jede Bewegung war anstrengend. So als würden etliche Gewichte an mir hängen und mich nach unten ziehen. Allein der Gedanke daran duschen zu gehen war anstrengend. Ich hatte kaum Kraft und brauchte nach dem Spaziergang selber Pause – sprich ich lag auf der Couch, der Fernseher lief und ich versuchte zu skillen (Skills sind Methoden aus der Therapie die helfen sollen mit Flashbacks und ähnlichem umzugehen). So müde ich war, konnte ich trotzdem nicht schlafen. Es gab nicht wirklich eine Erholung für mich und jeden Morgen erwachte ich gleich müde und fertig wie am Tag davor. Ylvi lag viel bei mir auf der Couch, kuschelte mit mir, legte sich auf meine Füße und forderte mich zum spielen auf. Ab 20 Uhr ging sie dann meistens ins Schlafzimmer um dort für ein paar Stunden tief zu schlafen bevor mein Mann noch mal mit ihnen runter ging und sie teilweise die Nacht wieder bei mir auf der Couch verbrachte.

Der Aufenthalt in Bad Honnef hatte alles nur noch schlimmer gemacht. Dort wo ich Hilfe bekommen hätte sollen, hab ich keine bekommen. Bis heute liegt kein Abschlussbericht aus der Klinik vor und die Krankenkasse wartet aber auf diesen Bericht.

Meine kleinen Lichtblicke waren das TAT-Symbosium und das Seminar Medical Training im Animal Training Center. Doch auch diese Lichtblicke waren nicht genug. Meine Gedanken waren düster. Immer häufiger dachte ich daran mich umzubringen, denn so wie mein Leben derzeit läuft ist es kein Leben mehr. Meine Zukunft sieht auch düster aus. Ich habe Probleme mich zu erinnern, an Gespräche, an Situationen, an gestern. Es ist mehr als das einfache vergesslich sein. Ich versuche es so gut es geht zu überspielen. Doch engen Freunden fällt es sehr wohl auf. Ich kann langen Gesprächen nicht wirklich folgen. Kompliziertere Dinge kann ich nicht lesen weil dann meine Konzentration gleich aufgebraucht ist.

Mit Suizidgedanken ist das auch so eine Sache. Die kommen einfach und völlig ungefragt. Sie drängen sich richtig auf und dann kann man an nichts anderes mehr denken. Für mich sind sie nichts neues. Ich lebe schon sehr lange damit. Bisher hab ich immer einen Weg gefunden die Zeit durchzuhalten. Den Handlungsimpulsen nicht nachzugeben. Die Zeit der dunklen Gedanken durchzustehen. Irgendwie.

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten wie man sich umbringen kann und als Krankenschwester lernt man leider auch ein paar sehr sichere Methoden. Für mich stand immer schon fest, dass ich nicht andere Leute im Zuge meines Suizides traumatisieren möchte. Somit fallen ein paar Dinge schon mal weg. Vor den Zug oder ein Auto springen, aus einem Gebäude hüpfen. Das macht eine zu große Sauerei und die Leute, die es mit ansehen müssen sind für ihr Leben traumatisiert – so wie ich es bin.

Damit ich nicht in Versuchung komme mir die Pulsadern aufzuschneiden habe ich mir zwei Tattoos auf die Handgelenke stechen lassen. Beide haben ihre eigene Bedeutung. Bereits letztes Jahr, kurz nachdem das zweite gestochen worden war, hatte ich wieder Suizidgedanken und Handlungsimpulse und sie haben mich davor bewahrt mich umzubringen.

Auch dieses mal habe ich mir Hilfe geholt. Ich habe mit meiner Therapeutin darüber gesprochen und auch meine behandelnde Ärztin mit einbezogen. Normalerweise würde man in so einer Zeit der Krise auf eine geschlossene Station in der Psychiatrie gehen zur Krisenintervention. Bei mir geht das aber aus diversen Gründen nicht – die Klinik in Innsbruck und die in Hall fallen völlig für mich aus. Alle anderen Kliniken haben ein bestimmtes Einzugsgebiet für Krisenintervention und von diesen Einzugsgebiet wäre eben Innsbruck oder Hall für mich zuständig. Also beißt sich die Katze selber in den Schwanz. Daher haben wir das so gelöst, dass ich fast tägliche Termine bei meiner Ärztin bzw Therapeutin hatte. Zudem hatte ich die Nummer der Telefonseelsorge, die rund um die Uhr da ist und wo ich jemanden zum reden hätte. Bereits im September hatten wir die Dosis der Antidepressiva bis zur Höchstdosis erhöht. Doch geholfen hat es nicht wirklich.

Meine Freunde wollte und will ich mit solchen Gedanken nicht belasten. Zum einen können sie ja auch nichts daran ändern und ich würde sie in eine Situation bringen in der sie hilflos sind und zum anderen wissen viele nicht wie damit umgehen und brechen dann den Kontakt ab. Doch gerade in der Zeit war es für mich sehr wichtig, dass ich mit den Hunden raus kam und Leute hatte, die mit mir gemeinsam spazieren gehen oder eben mit mir zu Seminaren fahren.

Es ist schwer zu beschreiben wie es ist wenn sich Selbstmordgedanken aufdrängen. Sie sind einfach da und nehmen dann das gesamte Denken ein. Ich hab mich versucht gedanklich an meinen Mann und meine Hunde zu klammern. Wie schlimm es für meinen Mann wäre wenn ich nicht da bin. Mir vorgestellt wie er leiden würde und ganz schlimm für mich wie er weinen würde – alles nur wegen mir und weil ich nicht stark genug bin. Ich hab mir Gedanken gemacht wie es meinen Hunden gehen würde, wer sie versorgen würde und was mit ihnen passiert wenn ich nicht mehr bin. Max könnte auf Dauer beide Hunde, besonders Ylvi nicht gerecht werden.

Die Selbstmordgedanken wurden immer konkreter. Mein Ärztin verschrieb mir daraufhin Psychopaxtropfen damit ich innerlich etwas Distanz zu den dunklen Gedanken bekommen würde. Am ersten Tag halfen sie auch und ich bekam einen Aktivitätsschub und fing an die Wohnung aufzuräumen. Doch bereits am zweiten Tag war es nicht mehr so. Ich bekam ein wenig Distanz zu den düsteren Vorstellungen, doch sie waren nach wie vor da. Also erhöhten wir die Dosis. Wer das Zeug kennt, weiß, dass sie bereits in niedrigen Dosen müde machen. Doch weit gefehlt. Müde wurde ich davon nicht. Klar war auch, dass es keine Dauerlösung sein würde wegen dem Abhängigkeitspontential. Ich kann euch sagen, die Tropfen schmecken echt fürchterlich! Der Geschmack ging mit Wasser nicht weg also lutschte ich hinterher Lindtkugeln.

Letzte Woche war es dann so weit. Ich konnte einfach nicht mehr. Es gab keine Möglichkeit für einen Klinikaufenthalt, keine Möglichkeit für Krisenintervention. Ein- bis zweimal pro Woche eine Stunde Therapie und alle zwei Wochen einmal ein Arztgespräch waren einfach zu wenig. Dabei hätte ich so dringend mehr benötigt. Am Mittwoch oder Donnerstag hatte ich noch einen Termin bei meiner Ärztin. Ich war so am Ende, dass ich kurzzeitig freiwillig bereit war in Innsbruck in die Klinik zu gehen. Ich habe alles vorbereitet und eine Tasche für Ylvi gepackt. Einen Zettel geschrieben wie jeder Hund zu versorgen ist, was seine Eigenheiten sind und auf was man achten muss. Bei Ylvi stand auch noch ein Liste an Befehlen dabei die sie kann und nicht verlernen sollte. Zudem hab ich drei Anlaufstellen aufgeschrieben, die Ylvi eventuell betreuen würden und Geld für die Betreuung auf das Konto meines Mannes überwiesen.

Ich hatte meiner Ärztin gesagt, dass ich nicht mehr kann. Doch den Satz, dass ich freiwillig stationär gehe brachte ich nicht über die Lippen. Sie erkannte auch leider nicht wie ernst mein Zustand bereits war – sonst hätte sie mich auch gegen meinen Willen auf die geschlossene Station eingewiesen.

Ich ging also wieder heim. Es war aussichtslos. Ich hatte keine Klinik in die ich gehen könnte. Ich hatte keine Möglichkeit für eine Krisenintervention, denn andere Kliniken würden mich nicht nehmen. Von dem Gedanken, dass ich Ylvi mitnehmen könnte hatte ich mich bereits verabschiedet. Es gab keine Perspektiven mehr für mich. Es wurde alles immer nur schlechter und nicht wieder besser. Aus meinem Pflichtgefühl heraus schrieb ich noch einer Freundin, dass ich an dem Tag den Pansen (Futter für unsere Hunde) nicht holen kann und sie möge sich bitte um meinen Mann kümmern. Dann nahm ich alle Tabletten und noch was um mich umzubringen. Meinem Mann schrieb ich noch dass ich ihn liebe.

Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass mein Mann an dem Tag früher nach Hause kommen würde und mich so rechtzeitig finden würde. Zudem war meine Freundin gerade im Dienst und war mit Blaulicht (sie ist bei der Polizei) auf dem Weg zu mir. Die hätte mir auch die Tür eingetreten wenn es nötig gewesen wäre.

Ich erinnere mich noch daran, dass plötzlich eine Traube von Sanitätern und der Notarzt bei mir standen. Und nein, darüber war ich gar nicht erfreut. Doch laut meinem Mann wehrte ich mich nicht und war so weit kooperativ, dass sie mich behandeln konnten. Dann wird alles dunkel. Als nächstes erinnere ich mich daran, dass mir irgendwo in einem Bett lag und einen Dauerkatheder hatte und es schrecklich brannte als er wieder entfernt wurde. (Ich lag auf der Cardio-Intensivstation.) Irgenwann wurde ich dann auf die geschlossene Station verlegt. Meine persönliche Hölle. Überall sind große Glasscheiben und man ist unter ständiger Aufsicht. Gut, aufs Klo darf man noch alleine gehen. Aber sobald man da länger ist kommt ein Pfleger nachschauen. Ich wusste ich war eingesperrt und ich wusste, dass sich der Täter nur 10 Meter Luftlinie von mir entfernt befindet und jederzeit auf die Station kommen kann. Mein Gehirn war noch recht benebelt von den Medikamenten. Doch ich versuchte verzweifelt den Pflegern meine Situation zu erklären und dass sie mich doch bitte in ein anderes Krankenhaus zb Salzburg, München, egal wo außer hier und Hall, verlegen sollen. Von mir aus auch wieder auf eine geschlossene Station. Doch ich wurde nicht ernst genommen. Als es Zeit war für meine Medikamente stellte ich fest, dass sie da einiges geändert hatten und erklärte ihnen, dass es die falschen Medis sind und ich diese nicht nehmen werde. Wieder glaubten sie mir nicht. Also rief ich meinen Mann an und bat ihn mir meine Geldtasche zu bringen, denn darin waren noch zwei Rezepte mit den Medikamenten die mir meine Ärztin verordnet hatte. Das half dann, dass sie mir die richtigen Medikamente gaben. Oh, und meine Tasche mit den Klamotten durchsuchten sie auch vorab und nahmen mir einige Dinge weg. Den Rasierer verstand ich ja noch, aber warum sie mir mein Haarshampoo weggenommen haben weiß ich nicht, den das Duschgel durfte ich behalten.

Dass mein Mann da war gab mir genug Kraft um noch mal deutlich zu machen, dass ich hier unter den Umständen nicht bleiben werde. Ich drohte ihnen damit, dass ich die Polizei rufe wenn sie mich gegen meinen Willen festhalten. Mein Plan war, dass dann noch mal ein Arzt mit mir reden muss ob ich wirklich noch Suizidgefährdet bin. Mein Handy hatte ich ja noch. Doch das war ihnen egal.

Also Plan B. Ich sagte ihnen klipp und klar, dass ich auch auf der geschlossenen Station noch genug Möglichkeiten habe mich umzubringen und es auch tun werde wenn sie mich nicht gehen lassen. Denn zuhause wäre ich dann bei meinen Hunden und da würde ich mir nichts mehr tun. Das war keine so gute Idee. Die Ärztin nahm meinen Mann mit für ein Gespräch.

Um es kurz zu machen. Ich kam an diesem Abend noch raus. Denn die diensthabende Ärztin (nach dem Schichtwechsel) sagte mir, dass ich gehen dürfte wenn mein Mann kommen würde und mich mitnehmen würde. Allerdings auf seine Verantwortung und gegen den Rat der Ärzte. Ich kann euch nicht sagen wie sehr ich ihn dafür liebe, dass er gekommen ist und mich so gut kennt, dass er wusste mir geht es zuhause besser als dort auf der Station. Er selber hatte gesehen wie einfach es ist trotz Pförtnersperre von außen in die geschlossene Station rein zu kommen. Sicher war ich dort also nicht.

Die nächsten Tage habe ich viel geschlafen, war noch einmal in der Klinik weil ich eine Blasenenzündung hab und hatte Gespräche mit meiner Ärztin und meiner Therapeutin.

Ich bin meinem Mann dankbar dafür, dass er meine wenigen Freunde aktiviert hat um ihm zu helfen.

Meinen Freunden, dass sie da waren um mit meinen Hunden spazieren zu gehen und eine Nacht auf mich aufzupassen (mein Mann hatte Nachtdienst).

Meiner Therapeutin, dass sie bereit war für den Termin zu mir nach Hause zu kommen und aus einer Stunde einfach so zwei gemacht hat.

Und meiner Ärztin, dass sie kurzfristig doch einen Platz in einer anderen Klinik für mich gefunden hat.

Die Gedanken sind immer noch da, aber ich hab wieder ein bischen Kraft um dagegen anzukämpfen und die Psychopax hab ich auch wieder abgesetzt.

Telefonseelsorge: 142 (Österreich)

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Ist ein Hund bzw Assistenzhund etwas für mich?

Das Geschäft mit den Assistenzhunde boomt. Ja, ich sage bewusst „das Geschäft“.
Es gibt immer mehr Assistenzhunde für immer mehr Erkrankungen und zugleich entdecken immer mehr Hundetrainer, dass man damit viel Geld machen kann. Egal ob mit Fremdausbilung oder unter angeleiteter Selbstausbildung, einen Assistenzhund bei der Ausbildung zu begleiten bedeutet viele Trainingsstunden und treue Kunden, denn die Ausbildung geht doch über mindestens 1 Jahr, teilweise sogar länger. Ein Hundetrainer ist also schnell bereit einen Assistenzhund auszubilden, doch ob er das auch kann ist ein anderes Thema.

Heute möchte ich einen Blick darauf werfen welche Gedanken man sich machen sollte BEVOR man sich für einen Assistenzhund entscheidet.

2S9A0792Viele vergessen, dass eine Assistenzhund mehr als nur ein medizinisches Hilfsmittel ist, es ist ein LEBEWESEN! Ein Lebewesen, das man nicht mal eben in die Ecke stellen kann wie eine Krücke, die man gerade mal nicht benötigt.

Bevor man also aufspringt und sagt: „Ja, ich will einen Assistenzhund!“, sollte man auch darauf schauen, ob man wirklich dafür geeignet ist einen Hund zu halten. Bringt man die Zeit mit und ist man bereit selber weitere Arbeit zu investieren? Kann man einen Assistenzhund auch entsprechend gut versorgen?

 

Selbstausbildung oder Fremdausbildung

Ganz grundsätzlich hat man 2 Möglichkeiten seinen zukünftigen Assistenzhund auszubilden, entweder über Fremdausbildung oder Selbstausbildung. Die Fremdausbildung ist die gängigste Form der Ausbildung bei den Blindenführhunden. Dort wird der Welpe oder Junghund gekauft und von der Hundeschulde/dem Ausbildungszentrum meistens in Zusammenarbeit mit Patenfamilien ausgebildet. Wenn er fertig ist gibt es eine Zusammenschulung mit dem zukünftigen Assistenznehmer. In der Selbstausbildung macht man den größten Teil der Arbeit/Ausbildung alleine. Da hier ein gutes und umfassend Wissen über Hunde Voraussetzung ist, holen sich viele (so wie ich auch) noch zusätzliche Hilfe durch einen Hundetrainer.

 

Sehr wenige schaffen es ganz ohne Hilfe eines Trainers den Hund alleine auszubilden. Doch welcher Trainer ist der Richtige? Und wo findet man ihn? Es gibt in Österreich sehr viele Hundetrainer, doch einige arbeiten noch nach den veraltetend Methoden und mit aversiven Mitteln – die sind eindeutig nicht geeignet. Dann kommt noch hinzu dass weder der Begrifff „Hundetrainer“, noch der Begriff „Assistenzhundetrainer“ ein geschützter Beruf ist. Es darf sich also jeder einfach so Hundetrainer nennen.

Mehr dazu findest du hier.

 

lebenslanges Training

Sollte man sich für die Fremdausbildung entscheiden, dann bedeutet das NICHT dass man eine fertigen Hund bekommt und danach selber gar nichts mehr machen muss. Denn auch bei der Fremdausblindung muss man sich erst einmal an seinen Partner gewöhnen und mit ihm gemeinsam die bereits bekannten Dinge durchgehen. Eigentlich ist ein Assistenzhund nie wirklich fertig, man muss ständig mit ihm üben und auch bereits bekannte Dinge wiederholen. Ein Assistenzhund bedeutet in jedem Fall Arbeit und Zeit, die man investieren muss. Hierzu gehören auch die täglichen Spaziergängen und dass man dem Hund zwischen seiner Arbeit bewusst Pausen gönnt in denen er sich erholen kann.

 

Welpe oder Junghung? Züchter oder Tierheim?

Nachdem man einen entsprechenden Trainer oder eine Ausbildungsstätte gefunden hat muss man noch abklären, ob man einen Welpen oder Junghund will. Soll er vom Züchter sein oder nimmt man einen aus dem Tierschutz? Alles hat seine Vor- und Nachteile und man darf nicht vergessen dass nicht jeder Hund vom Charkter und der Gesundheit her als Assistenzhund geeignet ist. Bei Hunden aus dem Tierschutz sind nur 1-2 von 1000 Hunden überhaupt für die Ausbildung geeignet. Hat der Trainer genug Erfahrung um einen passenden Hund zu finden?

IMG_20140720_105714Bei einem Welpen muss man immer daran denken, dass dieser auch viel Arbeit bedeutet. Gerade zu Beginn ist eine gute Sozialisierung das Wichtigste! Bringt man dafür genug Erfahrung mit? Hat man zb mit PTBS auch die Kraft an belebte Orte zu gehen? Für den Hund ist es sehr wichtig, dass er auch ein Einkaufszentrum, einen Bahnhof und die belebten Straßen einer Einkaufsmeile kennenlernt. Für mich selber hat es sehr viel Überwindung gekostet dort hin zu gehen. Doch für meine Ylvi und in Hinblick darauf, dass sie mir dafür später in genau solchen Situationen helfen kann, hab ich es geschafft. Leicht war es nicht und das sollte jedem mit einer derartigen Erkrankung klar sein. Man muss sich dann wirlich überwinden und in Situationen gehen die einem selber Angst machen. Mir hat es geholfen, dass ich mich dabei voll auf Ylvi konzentriert hab und wusste, dass ich selber ruhig bleiben muss um meine Angst nicht auf sie zu übertragen.

Inzwischen weiß ich, dass ich das eine oder andere noch besser machen hätte können. Oft hätte ich mir mehr Hilfe gewünscht oder jemanden der mir den eine oder anderen Teil der Sozialisierung abnimmt.

 

Gesundheitliche Eignung

IMG_20140708_085149Eine ganz wichtige Frage ist zudem was mit dem Hund passiert wenn er zb gesundheitlich nicht geeignet ist. Kann man ihn dann selber behalten oder muss man ihn weitervermitteln? Hier ist eine gute Ausbildungsstätte von Vorteil, da diese häufig mit Patenfamilien zusammenarbeit und die Hunde, welche nicht geeignet sind in gute Hände vermitteln können.

Wenn man den Hund allerdings selber kauft dann geht man hier ein großes Risiko ein. Die gesundheitliche Überprüfung (laut den Vorgaben für die Assistenzhundeprüfung der Vetmed Uni) kostet ca 1.000€ und kann man erst ab 1 Jahr machen. Zudem würde man auch auf den Kosten für die bisherige Ausbildung sitzen bleiben.

 

finanzielle Situation

Ein Hund, egal ob Assistenzhund oder nicht, kostet einfach auch Geld. Angefangen bei der Hundesteuer – von der man in einigen Städten erst nach der bestandenen Assistenzhundeprüfung befreit ist, über Futter, Ausrüstung für Training, Spielsachen, Versicherungen (jeder Hund muss in Österreich laut Gesetz haftpflichtversichert sein!) bis hin zu Tierarztkosten. Manche Dinge sind einmalige Anschaffungen, während andere laufende Kosten darstellen. Ich kann euch aus eigener Erfahrung sagen, dass besonders der Teil mit Futter bzw den vielen Leckerlis für das Training ins Geld gehen. Man muss sich einen Assistenzhund auch leisten können!

Gerade für den Tierarzt sollte man immer ein paar Hundert Euro auf der Seite haben. Denn schnell ist etwas passiert und der Hund braucht vielleicht sogar eine Operation. Das kann damit anfangen, dass er sich mal ein Auge enzündet oder einen Husten bekommt, sich etwas eingetreten hat, oder durch Glasscherben die Ballen aufgeschnitten hat, bis hin zu wirklich üblen Dinge wie einer Magendrehung oder einer eitrigen Gebärmutterenzündung (bei Hündinnen). Es kann einfach viel passieren weshalb man akut zum Tierarzt muss und die Rechnung kann schnell hoch werden. Dafür sollte man vorbereitet sein.

 

selber krank und dann?

DSC_1212Das führt mir gleich zum nächsten Punkt. Was macht man wenn man selber einmal krank ist? Also zb mit einer Grippe das Bett hüten muss. Hat man einen Partner oder Eltern, die einem dann auf den Hund schauen? Oder braucht man einen Dogsitter? Und wie findet man einen guten Dogsitter, mal abgesehen davon, dass es auch wieder Geld kostet. Wenn es darum geht, dass jemand ein paar mal mit dem Hund spazieren geht, dann kann man ja noch Freunde fragen. Doch was ist wenn ein längerer Krankenhausaufenthalt ansteht und der Hund aus irgendeinem Grund nicht mit kann oder darf? Wer nimmt den Hund inzwischen?

 

Wie ihr seht gibt es so viele Fragen und viele Dinge, die man vorab bedenken sollte. Geht die Fragen in Ruhe durch und seid euch gegenüber ehrlich.

Vergesst nicht, dass auch ein Assistenzhund keine Maschine ist und nie zu 100%  perfekt sein wird.

 

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Warum ich „Hundemenschen“ nicht mag

„Oooooohhhh sooo süß!“ ertönt es links von mir.  Ich steh an der Ampel und schau mich verdutzt um. Voll Begeisterung beugt sich Dr Sowieso über Ylvi und tätschelt ihr den Kopf.

Ich kenn Dr Sowieso, bei ihr hatte ich bereits mit Ylvi ein Erstgespräch als ich auf Therapeutensuche war. Sie liebt Hunde und besitzt sogar selber einen. Inzwischen hab ich allerdings gelernt, dass das nicht bedeutet, dass die Leute einen Ahnung von Hunden haben. Körpersprache lesen kann sie jedenfalls nicht, weder beim Hund noch bei mir.

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Ich ärgerte mich. Ich mag es nicht wenn Menschen ungefragt meine Hunde anfassen. Und noch mal weniger wenn es sich dabei um meinen Assistenzhund handelt. Zudem sie noch extra als Assistenzhund gekennzeichnet war. Einerseits steht es am Geschirr und andererseits hab ich extra einen Patch mit „Bitte nicht streicheln“ und durchgestrichener Hand am Rückenteil vom Geschirr. Offensichtlicher geht es echt nicht mehr. Wie so viele scheint es auch Frau Doktor nicht zu sehen. Oder ignoriert es gekonnt. Doch ich bring kein Wort über die Lippen.

Ylvi ist inzwischen schon richtig aufgdreht und hüpft hektisch von einer Pfote auf die andere. Dr Sowieso tätschelt fröhlich weiter und quatscht auf meine Hunde ein. Erst als sie die Frage noch mal stellt kapier ich, dass sie mit mir redet. Wie meine Hunde denn heißen.  Ich höre mich selber brav antworten. Irgendwann ist sie fertig mit tätscheln und verabschiedet sich.

Ich geh weiter und ärger mich. Über mich selber. Und über „Hundemenschen“.

Die Menschen, die Hund ja so gern mögen. Die Ylvi ja so nett finden. Und freundlich. (Was sie ja zum Glück auch wirklich ist.) Menschen, die im Vorbeigehen meinen Hund locken. Menschen, auf der Straße einfach meinen Hund streicheln. Ungefragt! Menschen, die das andere Ende der Leine völlig ignorieren und nur mit meinem Hund sprechen. Was ich übrigens schrecklich unhöflich finde.

Oft höre ich: Die ist ja eh freundlich. Ja, klar. Mein Hund steht da und wedel mit dem Schwanz wenn sie angesprochen wird. Dennoch findet sie es nicht brickelnd wenn man sich über sie beugt. Oder wenn man ihr den Kopf tätschelt. Welcher Hund mag das schon? Dann wendet sich nämlich den Blick ab und züngelt. Toll ist was anderes.

Oder ich grieg zu hören, dass die Leute auch Hunde haben. Ja, schön. Und weiter? Das gibt doch niemanden das Recht einfach meinen Hund anzufassen! Ganz abgesehen davon, dass man IMMER und bei JEDEM Hund vorher fragen sollte ob man streicheln darf. Nicht nur bei einem Assistenzhund. Es sollte ja auch Hunde geben, die sich dann bedrängt fühlen und beißen. Hab ich mal gehört. Aber die Leute glauben ja, dass wenn sie selber Hunde haben, diese genau lesen können.

Mich ärgert es so sehr weil ich mit Ylvi seit Welpenzeit mühsam daran arbeite, dass sie nicht zu jedem Menschen hinläuft oder sie anspringt weil die Leute sie mit den Worten so hochpushen. Jedesmal wenn dann jemand kommt und sie lockt und einfach streichelt darf ich wieder von vorne anfangen. Leute für so ein Training zu finden ist auch nicht so leicht.

Ich bin ja schon froh, dass es schon viel besser geworden ist – dank mühevollem Training. Sie ignoriert fremde Personen wenn sie das Arbeitsgeschirr an hat. Sie blickt zu mir und fragt ab ob sie darf oder nicht. Natürlich belohne ich sie nach wie vor wenn sie Menschen und deren locken ignoriert. Das ist für sie sehr schwierig und ich weiß das. Ich glaub sogar, dass es für sie das Schwierigste an der ganzen Ausbildung ist.

Tut mir also bitte einen Gefallen: Fragt vorher ob ihr einen Hund streicheln dürft. Und zwar bevor ich den Hund streichelt und nicht wenn ihr eh schon dabei seid. Danke.

 

 

 

 

Abreise von Bad Honnef

Heute konnte ich so gar nicht schlafen und war um 7 Uhr bereits mit Ylvi unterwegs.

Im Anschluss holte ich mir die Medikamente und sprach noch einmal kurz mit der Schwester. Die war sehr erstaunt, dass ich das mit der Abreise wirklich durchziehe. Ich kann da echt nur den Kopf schütteln, denn ich sag ja nicht umsonst dass ich abreisen werde und lass meine Freundin um 3 Uhr nachts losfahren, nur um mich dann anders zu entscheiden.

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Ich hab noch ein Liste bekommen was ich am Abreisetag zu erledigen habe. Bis zur Patientenversammlung hatte ich noch etwas Zeit und dreht nochmal mit Ylvi eine Runde, trainierte im Park sitz und platz auf Entfernung und machte kleine Suchspiele. Ich hatte beschlossen Ylvi zur Patientenversammlung nicht mitzunehmen, denn ein wenig war ich genervt, dass sie trotz großen Patch immer noch einige einfach anfassten. Wie soll Ylvi da denn kapieren wann sie auf Menschen zugehen darf und wann nicht wenn es immer wieder Menschen gibt, die sie einfach streicheln und locken? Das ist echt frustrierend weil mir hinterher der Vorwurf gemacht wird wenn sie freundlich auf wen zugeht, der das aber nicht mag. Dann heißt es sie sei unerzogen.

Eine Patientin war so freundlich und traf sich mit mir beim Portier um mir den Konferenzraum zu zeigen in dem die Patientenversammlung stattfand.

Ich war wohl nicht die Einzige, die Probleme mit dem Therapieplan hat und bei der sich Termine überschneiden. Scheinbar funktionierte auch das System mit der Aushangtafel nicht so wirklich. Dort hängen die Gruppentermine, die man sich teilweise selber nachtragen muss weil es mit dem Computer nicht immer funktionierte, dann noch Abwesenheiten und eventuelle Terminänderungen.

Um kurz nach 11:30 Uhr kam meine Freundin nach einer langen Fahrt an. Sie war erstaunlich fit wenn man bedenkt, dass die um 3 Uhr morgens losgefahren ist. Viel Zeit für die Begrüßung hatte ich nicht, denn ich musste schon weiter zum Abschlussgespräch. Da die Therapeutin nicht da war machte es die Ärztin, die ich bereits von der Aufnahme her kannte.

So weit lief das auch ganz gut. Ich konnte noch mal loswerden was denn alles schief gelaufen war und was das bei mir ausgelöst hat. Die Ärztin fand auch, dass es in dem Fall wohl die beste Entscheidung sei es abzubrechen und sie gab mir mit, dass ich mich jederzeit wieder bei ihr melden dürfe sollte ich über einen Klinikaufenthalt nachdenken. Ich sei auch jederzeit wieder in Bad Honnef willkommen.

Einen kleinen Hickup gab es noch. Wir warteten am Zimmer bis der vorläufige Abschlussbericht fertig war und eigentlich hätte sich die Schwester melden sollen sobald er fertig ist. Hatte sie wohl vergessen und kurz vor 14 Uhr gingen wir dann noch mal auf die Station nachfragen was mit dem Abschlussbericht los sei. Der war (wohl schon etwas länger) fertig. Also zurück ins Zimmer, das Auto holen und beladen, Schlüssel beim Portier abgeben und mit dem Laufzettel zurück auf die Station. Von der netten Schwester hatte ich mich bereits davor verabschiedet und nun hatte die unfreundliche Schwester Dienst. Einmal tief durchatmen, Zettel abgeben und weg war ich.

Vor dem Krankenhaus trafen wir dann noch auf die zwei Mitpatientinnen, die am Sonntag bei der Wanderung dabei waren. Ich freute mich sehr auf die herzliche Verabschiedung.

PS: Einen Punkt hab ich schon für den es gut war – ich kann nämlich Ende September zum Symposium gehen 😉 Oh und von meiner Freundin ein zweiter Punkt – Wär ich länger geblieben hätte ich eine massive Mangelernährung gehabt. 5 Tag nur von Joghurt ernähren ist wohl nicht so ideal. Daher war der erste Punkt feste Nahrung für mich zu besorgen – Mäci ist zwar auch nicht gesund, aber etwas warmes im Bauch hat echt gut getan.

Kurz vor Mitternacht waren wir dann endlich daheim. Die Fahrt haben wir bis auf einen platten Hintern gut überstanden.

 

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Tag 4 in Bad Honnef

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Am Sonntag hab ich mich für die Wanderung eingetragen, die von der Pastorin geleitet wird. Zum einen hatte ich dann eine schöne Wanderstrecke und zum anderen war ich auch etwas beschäftigt.

Treffpunkt war um 9 Uhr beim Portier. Ziel war die Löwenburg.

Eine Patientin meldete sich gleich zu Beginn der Wanderung, dass sie Angst vor Hunden hat. Wir vereinbarten also, dass ich mit Ylvi zu ihr etwas Abstand halten werden. Ich sprach auch gleich an, dass ich Ylvi im Wald gerne laufen lassen würde. Mein Vorschlag war der, dass ich mit Ylvi vorangehen werde, so könne Sie Ylvi im Blick haben und ich achte darauf, dass Ylvi nicht zu ihr laufen werde. So weit schien da vorerst okay zu sein.

Nach einem Stück sind wir dann noch mal stehen geblieben und die Pastorin fragte wie es der Patientin nun mit dem Hund gehe und ob ich ein wenig erklären könne warum ich Ylvi habe. Also erzählte ich wie und wo mir Ylvi hilft und dass sie mir sehr viel Sicherheit durch ihre Anwesenheit gibt. Hier in Bad Honnef merke ich es sehr deutlich wie gut es mir tut, dass sie bei mir ist. Natürlich kann ich es nachvollziehen wie es ist wenn man Angst hat und mein Ziel ist gegenseitige Rücksichtnahme. Die Pastorin sah das ähnlich und meinte, dass ja beides da sein dürfe, ihre Angst und mein Bedürfnis Ylvi bei mir zu haben. Ich bestätigte auch noch mal, dass Ylvi wirklich brav sei (sprich auch gut abrufbar) und ich auf den Abstand achten werde. So konnten wir weiter gehen.

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Im Wald war ich dann mit zwei Patienten etwas schneller am Weg und so gab es auch keinerlei Probleme, dass Ylvi der Patientin auch nur im entferntesten zu nahe kommen würde. Ich unterhielt mich gut mit einer Mitpatientin und wir beschlossen ganz den „Berg“ (für uns Tiroler Hügel) rauf zu gehen zur Löwenburg während die anderen unten im Gasthaus eine Pause einlegten.

Die Wanderung war echt nett und es tat gut wenigstens eine positive Erfahrung zu haben. Doch an meinem Beschluss hat es nichts geändert.

Der Start war denkbar schlecht und von allen Seiten – Ärzte, Therapeut und Pflege – hatte es Probleme gegeben. So kann ich kein Vertrauen aufbauen, mich nicht öffnen und schon gar nicht verletzlich zeigen. Bei solchen Voraussetzungen macht es einfach keinen Sinn eine Therapie fortzuführen.

Als ich am Abend die Medikamente holte (mir wurde einmal Abendmedikation zu wenig ausgeteilt) fragte ich noch die diensthabende Schwester (diesmal eine neue) nach dem Patensystem. Ich hatte bei der Wanderung erfahren, dass es normalerweise doch eine Art Patensystem gibt bei dem ein Mitpatient dem Neuen zeigt wo was ist, zum Essen mitnimmt usw. Sie erklärte mir ein wenig umständlich, dass sie das eigentlich nicht gern Patenschaft nennt, da es ja nicht so sei als würde der Mitpatient die Verantwortung übernehmen und man würde die Hauptinfos ja bei der Pflege bekommen. Nun, das hatte ja bei mir nicht funktioniert

Was ich rausgefunden hab ist, dass die Station erst am Mittwoch erfahren hat, dass ich am Donnerstag anreisen werde. Dadurch haben sich eben die Schwierigkeiten ergeben, dass ich keinen Patent bekommen hab, denn die Patenschaften werden immer nur montags bei der Patientenversammlung vergeben. Auch die Hauswirtschaft hatte wohl erst sehr kurzfristig (am Donnerstag) erfahren, dass ich komme und daher war mein Zimmer noch nicht fertig. Fand ich sehr spannend, denn ich wusste ja 3 Wochen im vorhinein wann ich den Aufnahmetermin habe.

Zudem hatte ich das Aufnahmegespräch mit der Pflege hatte wegen dem Krampfanfall verpasst. Hier meinte die Schwester, dass wenn sie Dienst gehabt hätt, dann hätte sie geschaut, dass sie dann zu  mir kommt und wir das Gespräch dann halt etwas später machen. So sind halt auch viele Infos an mir vorbeigegangen.

 

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