Klinik Salzburg Teil 1

Diesmal bin ich schon einen Schritt weiter als beim letzten mal. Diesmal hab ich mir Hilfe geholt und etwas gesagt, bevor ich versucht hab mich umzubringen. Dank meinem Mann und meiner tollen Ärztin habe ich auch einen Tag später in Salzburg in einer Klinik einen Platz bekommen.

Seit Mittwoch bin ich nun stationär und obwohl ich das Gefühl habe, dass sich nichts geändert hat, so hat sich doch etwas verändert. Mein Grundproblem ist immer noch das Gleiche. Ich sehe immer noch keine besonders rosige Zukunft für mich. Auch der Versuch von meinem Therapeuten, dass ich mir eine tolle Zukunft vorstellen soll ist kläglich gescheitert. Die Gedanken mich umzubringen sind immer noch da. Ich ziehe Bilanz was sich noch positiv verändern kann und was für immer so bleiben wird – und es sieht nicht gut aus.

Viele sagen, das Ptbs gut heilbar ist. Ich frag mich echt woher diese Aussage stammt. Denn das mag auf manche zutreffen. Vielleicht bei einem Singletrauma oder einem einfachere traumatischen Erlebnis und selbst da gibt es Leute, denen es nach Jahren noch immer schlecht geht – trotz Therapie. Doch 21 Jahre lang missbraucht zu werden, 21 Jahre lang in einem vergifteten Familiensystem aufzuwachsen, 21 Jahre lang täglicher Gehirnwäsche unterzogen zu werden – wie kann man so was heilen? Die Antwort ist gar nicht.

Die 21 Jahre haben tiefe Spuren hinterlassen. Meine Amygdala ist am dauerfeueren, in ständiger Alarmbereitschaft. Die kennt es gar nicht, dass es einmal nicht gefährlich ist. Ich bin kein Wissenschaftler, dennoch gibt es einige gute Studien dazu wie sich das Gehirn nach massiven traumatischen Erlebnissen verändert. Ein Buch dazu ist dieses „Der Körper erinnert sich“ von Babette Rothschild. So was kann man nicht heilen.

Ich habe hier Wochentags jeweils 30 Minuten Einzelgespräch bei einem klinischen Psychologen. Als erstes hat er mir ihre „blaue Mappe“ gegeben. Darin ist eine Liste von Skills und Tätigkeiten, die einem gut tun können. Zudem hab ich eine Tabelle (siehe Foto) auf der muss ich einzeichnen wie stark der Leidensdruck ist  und wie stark die Suizidgedanken sind. Beides sieht man dann wie in einer Fieberkurve wie es sich über den Tag verändert. Zudem gibt es noch Felder wo ich am Ende des Tages eintrage wie stark der der Verletzungsdruck war und ob ich mich verletzt habe oder nicht, wieviel Stunden ich ca geschlafen habe, welche Skills ich eingesetzt hab, was ich am Tag so getan habe und wieviel Stunden ich Freude oder Genuss gespürt habe. Dies soll mir helfen selber einen besseren Überblick zu bekommen wie sich die Dinge verändern. Wie man an der Kurve sieht hat sich das Suizidrisiko etwas gesenkt. Ebenso hab ich gesehen, dass das Suizidrisiko zusammen mit dem Leidensdruck steigt. Beide Werte liegen immer recht nah beieinander.

Ansonsten mache ich nicht viel. Besonders das Wochende war gewaltig langweilig, denn da ist dann auf Station nichts los. Es gäbe zwar ein paar Spiele, aber bisher hab ich niemanden gefunden, der mit mir spielen würd. Vielleicht nimm ich ja mal meinen Mut zusammen und geh in die anderen Zimmer und frage dort die Leute. Ich weiß jetzt schon, dass mich das viel Überwindung kosten wird. Bisher hab ich schon 3 Bücher gelesen und 5 Filme geschaut. Dank meinem Laptop kein Problem. Internet habe ich am Handy und so kann ich auch meinen Blog weiterführen.

Hier zu schreiben hilft mir meine Gedanken etwas zu sortieren. Es ist wie eine zusätzliche Therapiemaßnahme. Ich hoffe, dass ich damit dem ein oder anderen helfen kann oder den Leuten zeigen wie es sich anfühlt mit so einer Vergangenheit zu leben, was ich so denke und wie es mir geht. Das gibt meinem Leben ein bischen einen Sinn. Und natürlich freue ich mich wenn ich immer mal wieder ein Feedback bekomme. Gerne als Kommentar bei den Beiträgen oder auch per Mail (assistenzhund-ylvi@gmx.at).

Einmal war der Druck auf der Brust und die psychischen Schmerzen so stark, dass ich beschlossen hab mich doch an die Pflege zu wenden. So was fällt mir nämlich überhaupt nicht leicht. Ich bin es gewohnt es mit mir selber auszumachen wenn es  mir nicht gut geht. Meine Strategie ist zu versuchen mich mit anderen Dingen abzulenke und sonst einfach abwarten und aussitzen. Meisten eher aussitzen.
Der Pfleger, der gerade Dienst hatte war schon etwas älter und meiner Meinung nach nicht sonderlich hilfreich. Ich hatte ihm gesagt, dass es mir gerade schlecht geht und ich meine Hunde extrem vermisse. Da meinte er, dass es ein Zeichen dafür sei, dass ich mit Menschen ein Problem habe und das auf meine Hunde übertrage. Gewünscht hätte ich mir, dass er ein bischen mit mir redet, mich vlt von meinen Hunden erzählen lässt, nachfragt, interessiert ist. Doch das war er nicht.

Er hat mir dann noch den Notfallkoffer der Station gezeigt. Da war eine Flasche Tabasocosauce, 2 Duftöle, 3 Jongleurbälle, 1 Igelball, ein Koffer mit chinesische Klangbälle, 2 Springschnüre, 1 Diavolo und ein paar Zettel. Alles in allem recht mager. Sogar meine kleine Tasche mit Skills ist größer als das… Ausgekannt hat er sich damit auch nicht wirklich. Ich hab mir also einen Ball geben lassen und bin wieder gegangen.

 

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2 Kommentare zu “Klinik Salzburg Teil 1
  1. Katja sagt:

    huhu hab grad deinen blog endeckt hab dich auf facebook schon gesehen mmit Hund….erstens ich finde es toll das du schreibst…und zweitens ich leide auch an PTBS BPS, und weiß der geier ES du kennst es sicher vieles was noch so dazu gehört. ich selber habe auch einen assistenzhund seit kurzem und bin neugierig… werd mal deinen blog durchstöbern ich kann eh nicht schlafen… und beschäftige mich mit positven dingen des lebens die nachtschwester hier ist merkwürdig zu der will ich incht gehen also ablenken *grins* mit deinem blog… schöner blog… Freu lg kathi

    • KLARA sagt:

      Hallo Katja,
      Schön, dass dir mein Blog gefällt. Wenn du Frage hast kannst du mir gerne schreiben.
      Ich wünsche dir alles Gute mit deinem Assistenzhund.
      Lg. Klara

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