Seminar zum Thema Geld Teil 2

Nach dem 3. Vortrag war meine Konzentration schon recht aufgebraucht. Also war ich froh, als es dann Abendessen gab und meine Massage anstand.

Ylvi war von dem Tag auch erschöpft und daher lies ich sie sowohl zum Abendessen, als auch für die Massage am Zimmer. Da ich nicht mehr in der Lage war Wegbeschreibungen zu merken oder gar umzusetzen, brachte mich meine Freundin direkt zum Massagezimmer. Sie sollte mich hinterher auch wieder abholen. Bereits bei der Anmeldung hatte ich abgeklärt, dass ich nur von einer Frau massiert werden möchte. Eigentlich wollte ich eine Shiatsumassage (weil dort über der Kleidung massiert wird), doch die hätte ein Mann gemacht und so hab ich mich für die Tiefenentspannungs-Punktmassage entschieden.

Die Masseurin Nicole begrüßte mich freundlich und zeigte mir wo ich mich umziehen konnte. Ein wenig mulmig war mir schon, weil ich es nicht mag, dass mich fremde Leute nackt oder halbnackt sehen. Noch schlimmer ist es seit ich so viel zugenommen habe… Ich überspiele es zwar sehr gut und jemand der mich nicht kennt wird auch nie merken wie unangenehm mir so etwas ist. Doch ich war ja da um mich zu entspannen und meine Rückenschmerzen auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Bei der Anmeldung hatte ich bereits angekündigt, dass ich in Begleitung eines Assistenzhundes bin und immer wieder unter nicht epileptischen Krampfanfällen leide. Ich hatte es der Einfachheit halber Krampfanfälle genannt, weil eine Erklärung was eine Dissoziation ist mir für die Anmeldung zu kompliziert war.

Was mir bereits bei der Anmeldung positiv auffiel war, dass es kein Problem darstellte Ylvi zur Massage mitzubringen. Es wurde nicht nicht einmal gefragt warum oder wieso. Nur freundlich akzeptiert, dass ich sie halt benötige. Das nächste was mir positiv auffiel war, dass auch die Masseurin die Info erhalten hatte und mich ein wenig erstaunt fragte, wo denn mein Assistenzhund sei. Ich erklärte ihr, dass der Tag doch anstrengend für sie gewesen ist und ich ihr bereits frei gegeben habe. Sie fragt, ob sie fragen dürfen warum ich einen Assistenzhund benötige und wie er oder sie denn heiße . Das fand ich total nett und angenehm. Gerne erzählte ich ihr ein wenig von Ylvi und wofür ich sie so brauche. Dabei kamen wir auch kurz auf  meine Krampfanfälle zu sprechen und wie sehr Ylvi mir hier hilft.

Der Raum hatte ein angenehmes Licht, nicht zu grell, aber auch nicht zu dunkel und unter dem Kopfteil der Massageliege stand eine Schale mit getrockneten Blumen oder Kräutern und roch angenehm entspannden. Als ich lag und die Beine zugedeckt bekam fühlt ich mich auch schon nicht mehr so nackt und unwohl. Zu Beginn redeten wir noch ein wenig. Ich nehm mal an, dass sie dann merkte dass ich mich langsam entspannte und so arbeitete sie schweigend weiter.

Rückenmassagen kenne ich ja bereits, weil ich immer wieder Schmerzen im Rücken habe. Aber so eine medizinische Massage von 15 Minuten ist ganz was anderes wie die es war. Hier wurde ich nicht schnell schnell durchgeknetet, sondern viel Ruhe und langsam massiert. Ich versuchte mich ein wenig auf meine Körper zu konzentrieren – nur so viel wie gerade ging, weil ich ja normalerweise meinen Körper nicht wirklich spüre. So fiel mir auf, wie angespannt ich da lag. Zusammen mit dem Atem versuchte ich bewusst die Schultern zu entspannen. Als nächstes fiel mir auf wie angespannt meine Finger waren. So sehr dass ich meinen Zeige- und Mittelfinger gerade weggestreckt hatte. Statt sie in entspannter Position etwas gebeugt zu haben. Also entspannte ich diese mit dem nächsten ausatmen. Ich genoss die Massage am Rücken wirklich. Erst nachdem ich ich zum 5. mal auffiel, dass die Finger schon wieder gestreckt waren, versuchte ich zu bemerken warum ich sie schon wieder gestreckt hatte. Ich musste wohl an einem Punkt etwas empfindlich sein, denn sobald sie den massierte streckten sich automatisch wieder die Finger. Mit einem Achselzucken nahm ich es hin und dachte mir nichts dabei.

Irgendwann deckte sie mich oben zu und ging zu den Beinen über. Auch das fand ich noch angenehm. Dann war die Vorderseite der Beine dran und ich dreht mich um. Am Rücken liegen für eine Massage war ein bischen ungewohnt. Nicole massierte inzwischen die Unterschenkel und drückte die Entspannungspunkte. Als sie zu den Oberschenkel überging überlegte ich noch kurz ob ich sie fragen sollte, ob sie diese auslassen kann – doch da war es schon zu spät. Ich spürte die Schmerzen, mein Rücken bog sich durch und ich krampfte. Diesmal war ich allerdings von Anfang an bei vollem Bewusstsein.

Nicole bemerkte es und fragte zuerst mal was los sein ob etwas nicht gepasst habe. Ich hätte gern geantwortet, aber es ging nicht. Mein Rücken war so weit durchgebogen, dass ich nur noch mit dem Kopf und einem Bein die Massageliege berührte. Mein linkes Bein war im Krampf angewinkelt und das rechte gestreckt. Dadurch drohte ich von der Liege zu kippen. Nicole reagierte zum Glück schnell und hielt mich fest. Auch sie hatte gemerkt, dass ich nicht reden konnte und so sprach sie beruhigend auf mich ein. Was sie alles gesagt hatte, weiß ich nicht mehr genau. Hängengeblieben ist, dass sie selber Pflegehelferin ist und wohl jemanden kennt, der auch Krampfanfälle hat. Sie wusste, dass sie erstmal nichts tun konnte, außer eben beruhigend mit mir reden, aufpassen dass ich mich nicht verletzte und sozusagen auskrampfen lassen.

Innerlich arbeitet ich auf Hochtouren. Ich versuchte meinen Körper wieder unter Kontrolle zu bekommen. Ich fange dabei immer bei der Atmung an. Sobald ich die nämlich kontrollieren kann, kann ich über bestimmte Atemtechnik meinen Körper langsam entspannen. Leicht ist es nicht und immer wenn ich dachte, gut langsam löst sich die Anspannung der Muskeln, kam schon wieder die nächste Welle.  Wie oft es so hin und her ging weiß ich nicht. Hinterher wurde mir gesagt, dass ich fast eine Stunde gekrampft hatte.

IMG_20160208_231023Als ich es einmal geschafft hatte mich wieder so weit zu entspannen,dass ich endlich mit dem Rücken auf der Massageliege lag, nützte Nicole die Chance und rief bei der Rezeption an. Sie bat darum, dass sie nachsehen sollten, ob ich eine Begleitung mithabe und meinen Assistenzhund ausfindig machen und Ylvi zu mir bringen. Doch schon ging es wieder los und ich spürte noch, dass sie mich am Handgelenk packte, bevor ich von der Liege fiel. Glück gehabt, denn da hätte es mich voll mit dem Gesicht auf den Boden geknallt.

Was dann alles passierte hab ich nicht mitbekommen. Ich erinnere mich erst wieder, als ich die Stimme von meiner Freundin hörte (sie klang ein wenig „gestresst“), die bei mir stand und meinen Kopf festhielt – denn dieser lag auch nicht mehr auf der Liege. Meine Freundin erzählte mir hinterher, dass ihr langweilig gewesen sei und sie somit früher runter gekommen sei und vor der Tür auf mich gewartet habe. Als die Dame von der Rezeption runtergeeilt sei, da hatte sie schon gedacht, dass etwas bei mir nicht passt und ihren Mann losgeschickt Max zu suchen und dieser soll Ylvi mitbringen. Zu meinem Glück war Max mit den Hunden doch nicht weit gegangen, weil es bereits dunkel war und er die Leuchthalsbänder nicht gefunden hatte.

Als ich merkte, dass Ingrid da war, versuchte ich meine Augen zu öffnen. Das ganze resultiere in einem Aufgenflattern plus verdrehten Pupillen, das angeblich ausgesehen habe wie aus einer Szene von dem Film „Der Exorzist“. Auch sie redete beruhigend auf mich ein, dass Max mit Ylvi am Weg sei. Irgendetwas wollte sie machen um mich zu entspannen, aber das hatte nur wieder einen neuerlichen Anfall ausgelöst. Und schon war mein Held in schimmernden Rüstung und am weißen Ross – äh mit schwarzem Schlabberlabbi da. Ylvi legte sich voll ins Zeug und schleckte mir alles ab was sie nur erreichen konnte. Die Krämpfe waren abgeebt, aber bewegen konnte ich mich nicht und reden auch nicht. Doch mit Ylvi und Max bei mir wurde ich schon entspannter. Die zwei wussten inzwischen ja wie sie mir helfen konnten schneller aus diesem dissoziativen Stupor rauszukommen.

Hier fängt der lustige Teil an, denn nachdem ich von Ylvi zur Begrüßung abgeschlabbert worden war, spürte ich ein brennen auf meiner rechten Wange. Mein Mann hatte das reine Duftöl zum raustropfen mit dem Roll-On Duftöl (das gemischt ist) verwechselt und es mir auf die Wange gekippt. Obwohl das ein intensiv richendes Duföl ist (Lemongrass) und viel davon auf meiner Wange gelandet war, spürte ich nur das brennen, aber roch nichts. Ylvi ließ sich von dem Duft nicht abschrecken und schlabberte mir weiterhin die Hand und den Arm ab. Max beseitiget die Sauerrei (im doppelten Sinne) und zugleich durfte ich mir anhören, dass ich gefälligst nur noch Roll-Ons verwenden sollte, weil es ja sonst zu verwirrend für ihn sei die auseinanderzuhalten. HMPF! Den Unterschied sieht man wohl beim Aufmachen!!

Dank Ylvi konnte ich die Finger echt schnell wieder bewegen und konnte mich an Ylvis Geschirr festhalten. So merkte Max, dass ich wieder „da“ war und nahm meine Hand, damit ich mit dem Finger ins seine Handfläche schreiben konnte – unserer Art der Kommunikation in solch einem Fall. Ich erklärte, dass es im Gesicht brennt und er beeilte sich mir das Duföl aus dem Gesicht zu wischen. Sobald klar war, dass ich mitbekomme was er so von sich gibt, setzte „unser“ Humor, der tiefschwarz ist ein und er witzelte drauflos. Humor und lachen ist doch die beste Medizin.

Die Masseurin war die ganze Zeit anwesend und staunte nur so wie schnell ich dank Ylvi sozusagen ansprechbar war und wie fleißig mein Mäuschen daran arbeitete, dass ich wieder voll Einsatzfähig werde. Sie entschuldigte sich auch vielmals, weil sie dachte, dass sie was gemacht hat, was das krampfen ausgelöst hatte. Ich lies ihr über Max ausrichten, dass es nicht wegen ihr war und entschuldigte mich. Mir war das ja sehr unangenehm und am liebsten wäre ich mal eben im Boden verschwunden.

Nicole hatte wohl irgendwann den Tisch nach unten gestellt und so gab Max Ylvi das Kommando, dass sie zu mir auf die Liege durfte. In eleganter Labbimanier sprang sie hoch, trat mir gleich mit dem nächsten Schritt voll Arbeitseifer in den Bauch und schon schlabberte sie mir ohne Rücksicht auf Verluste das Gesicht und den Hals ab. Dank jeder Menge Hundesabber im Gesicht konnte ich irgendwann die Augen öffnen. Doch sowohl meine Stimme, als auch mein Oberkörper und meine Beine streikten noch. Die Masseurin hatte inzwischen aufgeräumt und verabschiedete sich, nachdem sie mit Max gesprochen hatte. Sie war so nett und ließ uns den Schlüssel zum Zimmer da, so dass wir langsam und in Ruhe daran arbeiten konnte mich von der Massageliege hoch und zum gehen zu bringen. Ylvi lag inzwischen mit auf meinem Oberkörper und schleckte meine Arme während ich sie streichelte und kraulte.

Um das ganze kürzer zu machen als es gebraucht hatte: Nach ca 1 Stunde konnte ich mich endlich aufsetzen. Max war noch mal ins Zimmer geeilt um mir einen Bademantel und Schlappen zu holen. Meine normale Kleidung anzuziehen war noch nicht möglich, dafür hatte ich noch zu wenig Kraft und Koordination und zudem war ich ja noch von der Massage voll Öl. Nachdem ich endlich wieder (halbwegs) begleitet war, stützen mich meine zwei Retter und führten mich zum Aufzug und in Richtung Zimmer. Ich hoffte nur, dass uns niemand so sah, denn der Anblick war sicher nicht besonders schön. Ich fühlte mich mal wieder als wär ich weit über 100 und jede Oma mit Rollator wär schneller am Weg als ich.

Endlich im Zimmer half mich Max die Hunde zu füttern und ich legte mich wie ich war mal aufs Bett um mich ein wenig zu erholen. Wir sprachen noch durch warum und wieso ich dissoziiiert war. Was ich nicht mitbekommen hatte und wie lang die ganze Aktion gedauert hatte. Nach nochmals 1 Stunde war ich dann so weit dass ich unter die Dusche konnte. Hinther fiel ich nur noch ins Bett.

IMG_20160207_175432Am nächsten Tag war ich immer noch etwas angeschlagen und hatte Kreuzschmerzen. Doch ich hielt bei den Vorträgen gut durch in der Mittagspause nützte ich die Zeit um mit der Chefin des Hauses zu reden. Mir war es wichtig ihr persönlich zu sagen, wie toll ihre Masseurin Nicole Hudel reagiert hatte und auch wir rücksichtsvoll sie mit mir umgegangen war. Ich lies mir noch den Namen geben  und ein persönliches Geschenk für Nicole wird in den nächsten Tagen an die Kothmühle geschickt.

Ich nützte natürlich auch die Chance und fragte, ob Sie denn den Aufkleber „Assistenzhunde Willkommen“ beim Eingang anbringen würde. Hunde sind ja so schon willkommen, aber diese dürfen zb nicht in den Restaurantbereich. Die Chefin war gerne dazu bereit und bot auch an, dass der Aufkleber auch seinen Platz auf der Homepage bekommen werde.

Solltet ihr also mal in der Nähe von Neuhofen an der Ybbs sein, dann steigt hier im Relax Resort Kothmühle ab. Sie haben ein super Essen, einen tollen Wellnessbereich, eine wirklich spitzenmäßige Masseurin und vieles mehr.

 

 

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