Suizidgedanken – was tun?

Nachdem ich letztens so einen langen Beitrag darüber geschrieben habe wie es mir mit meinen dunklen Suizidgedanken ging möchte ich euch noch etwas in die Hand geben was man dagegen tun kann. Entweder für einen selber oder aber für einen Freund, der sich euch anvertraut hat.

Auch wenn Suizidgedanken selber sehr ähnlich sind, so sind die Dinge, die helfen oft doch ganz unterschiedlich! Ich schreibe hier von Dingen, die mir geholfen haben oder von denen ich weiß, dass sie wem anderen helfen.

Als erstes zu den Skills, die kann man selber durchführen oder auch andere anleiten bzw daran erinnern diese zu machen:

Realitätscheck: Dabei zählt man Dinge auf, die man in seiner Umgebung sieht. Zb seh ich meine Decke mit den Schneemännern drauf, einer trägt einen grünen Schal und hat eine gelbe Mütze auf. Dann seh ich die Fernbedienung der Xbox, die hat einen roten, einen gelben, einen blauen und einen grünen Knopf. Dann seh ich ein braunes Bücherregal, darin stehen …. hier zähle ich alle Büchertitel auf. Man sollte das ganze laut vor sich hersagen, oder alternativ seinem Haustier erzählen. Der Sinn ist, dass man die Übung möglichst lange macht damit das Gehirn aus dem Hamsterradmodus wieder herauskommt.

Dann gibt es da noch das Rückwärtsbuchstabieren. Man sucht sich ein Wort aus und buchstabiert es rückwärts. Der Sinn liegt wieder darin dem Gehirn ein paar andere Infos zukommen zu lassen von den dunklen Gedanken weg zu kommen. Auch diese Übung sollte laut ausgesprochen werden.

Die Übung der innere Tresor ist auch eine, die gut funktioniert um mal Sorgen und Probleme für eine gewisse Zeit wegzupacken. Allerdings sollte man die Übung vorher oft genug im Alltag üben damit sie dann bei gröberen Dingen auch wirklich funktioniert. Ich hab hierfür zb mein Sorgenfresserchen Nelly.

Prinzipiell sollte man sich ab und zu auch was Gutes tun. Das kann eine Duftkerze sein oder ein Parfum das man sehr gerne mag. Ich persönlich mag die „Engelsdüfte“ (ja esoterisch) sehr gerne weil sie gut riechen, aber nicht zu stark sind wegen den Hunden.

Es gibt auch einen tollen Badezusatz bei dm von Kneipp der „glückliche Auszeit“  heißt und angenehm müde macht. So kann man schneller einschlafen und hat erst gar keine Zeit auf blöde Gedanken zu kommen.

Man kann sich in der guten Zeit noch eine CD/Playliste mit Gute Laune Musik machen und die dann anhören. Oder sie sich von Freunden zum Geburtstag/ Weihnachten wünschen. Einfach die CD einlegen und laut aufdrehen und in meinem Fall dann noch laut und falsch mitsingen. Dazu kann man auch gerne tanzen und den Körper wieder etwas in Bewegung bringen.

Vielleicht hat man auch ein Lieblingsbuch im Bücherregal stehen, dass man dann liest und das einem gute Laune macht?

Ein guter Tipp ist sich im Vorfeld ein Buch anzulegen in dem man schöne Dinge/Erlebnisse festhält. Entweder schriftlich oder mit kleinen Fotos (kann man heutzutage in jedem dm ausdrucken). Dieses Buch schaut man sich dann an wenn es einem schlecht geht.

Es gibt auch auf Facebook eine tolle Seite „Cutness overload“ auf der nur lustige Videos und süße Bilder geteilt werden. Die hilft mir auch an schlechten Tagen.

Ich hab mir noch ein Malbuch für Erwachsene besorgt. Denn malen lenkt auch ab und frei zeichnen bin ich nicht so gut. Man kann auch Mandalas ausmalen. Im Internet ist da ja einiges zu finden.

Manchen Menschen ist auch die Religion und deren Glaube eine große Hilfe und man kann sich an einen ruhigen Ort zurückziehen und beten oder meditieren.

Ich löse dann auch gerne Sudoku am Handy oder spiele diverse andere Spiele wie zb Block! Hexa oder brainwars.

Bei mir hilft es auch wenn ich die Hunde einpacke und mit ihnen in den Wald oder auf die Felder spazieren gehe. Alternativ kann man auch Tricks mit ihnen lernen oder was sinnvolles wie Medical Training üben. Das geht übrigens auch mit Katzen sehr gut.

Was man auf jeden Fall tun sollte ist mit seinem Therapeuten oder Psychiater darüber reden. Der Arzt kann im Fall des Falles Medikamentendosierungen anpassen oder eben auch Notfallmedikamente geben, die helfen innerlich ein wenig Distanz zu bekommen. Zudem kann man gemeinsam Strategien entwickeln die einem in dieser Situation helfen. Häufig vergisst man nämlich selber auf die Skills die man so hat.

Was mich auch schon zu dem nächsten Punkt bringt wie man seinem Freund bei Suizidgedanken helfen kann.

Wichtig ist, dass Suizidgedanke seltenst klar als solche ausgesprochen werden! Aber es gibt ein paar Phrasen bei denen man aufhören sollte und genauer nachfragen:

  • Es hat alles keinen Sinn mehr.
  • Ich kann einfach nicht mehr.
  • Es ist alles zu viel.
  • Manchmal würd ich gerne ewig schlafen.
  • Kümmere dich um ….

Viele Leute die Suizidgedanken haben wollen eigentlich gar nicht tod sein. Sie wollen nur, dass das schlimme Gefühl oder ähnliches Aufhört. Die Gedanken engen sich dann ein und werden düster und der Druck „es“ zu tun wird immer schlimmer. Sie sehen keinen anderen Ausweg mehr.

Was könnt ihr also tun?

Offen und ehrlich sein. Sagt ihm offen, dass ihr euch Sorgen macht er könnte sich was antun. Hört demjenigen zu was seine Sorgen und Probleme sind. Ihr werdet sie nicht alle lösen können, aber es tut oft schon gut wenn man jemanden hat der einem zuhört.

Fragt nach, ob es einen behandelnden Arzt oder Therapeuten gibt. Falls ja dann sorgt dafür, dass dieser auch informiert wird und von den Suizidgedanken erfährt. Wenn es nötig ist könnt ihr auch anbieten, dass ihr den Anruf für den Betroffenen macht. Der Arzt bzw Therapeut kann oft besser einschätzen wie schlimm die Lage wirklich ist und ihr seid nicht alleine mit der Situation.

Sollte euer Freund keinen Arzt oder Therapeuten haben, dann ruft gemeinsam bei der Telefonseelsorge an. 142 aus ganz Österreich. Dort sitzen kompetente Leute, die euch gerne helfen wie ihr weiter tun könnt.

Fragt nach wie konkret die Suizidgedanken sind. Sollten sie bereits konkrete Handlungen umfassen, dann fackelt nicht lange rum. Ihr könnt noch mit ihm reden ob er freiwillig in die Klinik fährt (mit der Rettung), aber dann begleitet ihn bitte oder ob er zwangseingewiesen werden muss (mit Polizeibegleitung). So eine Zwangseinweisung ist nicht lustig, aber in manchen Fällen einfach nötig.

Oft sind die Betroffenen ganz froh wenn sie von jemand anderem bestätigt bekommen wie schlimm es wirklich ist und dass ein Klinikaufenthalt dringend nötig ist. Gebt nicht gleich beim ersten Nein auf. Bitte nehmt denjenigen auch ernst wenn er Probleme mit einer bestimmten Klinik hat. Wenn es möglich ist begleitet ihn auch, das macht es oft einfacher. Zudem könnt ihr dem Arzt auch eure Sicht der Dinge schildern.

Manches mal ist es wie bei einem kleinen Kind, man muss es an die Hand nehmen und bestimmt sagen, dass man das jetzt so macht. Ein besserer Vergleich fällt mir gerade nicht ein. Wie gesagt, sind die Leute häufig froh Hilfe zu bekommen und auch froh, dass jemand die Entscheidung Klinik ja oder nein abnimmt. Weil ehrlich gesagt niemand geht gerne oder freiwillig in die Klinik.

Ihr könnt euerm Freund auch helfen indem ihr die Versorgung der Haustiere übernehmt oder wen dafür findet, der es macht. Aktiviert auch andere Freunde von ihm, dass er akut in die Klinik muss und eben Hilfe benötigt. Ich würd nicht jedem sagen, dass es wegen Suizidgefahr ist.

Sollte ein Partner dabei sein, dann unterstützt bitte auch ihn. Bringt ihm was zum essen vorbei, helft ihm bei der Versorgung der Haustiere oder bei der Arbeit im Haushalt. Fragt nicht lang, macht einfach. Er wird froh drum sein.

 

 

 

 

 

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