Warum ich „Hundemenschen“ nicht mag

„Oooooohhhh sooo süß!“ ertönt es links von mir.  Ich steh an der Ampel und schau mich verdutzt um. Voll Begeisterung beugt sich Dr Sowieso über Ylvi und tätschelt ihr den Kopf.

Ich kenn Dr Sowieso, bei ihr hatte ich bereits mit Ylvi ein Erstgespräch als ich auf Therapeutensuche war. Sie liebt Hunde und besitzt sogar selber einen. Inzwischen hab ich allerdings gelernt, dass das nicht bedeutet, dass die Leute einen Ahnung von Hunden haben. Körpersprache lesen kann sie jedenfalls nicht, weder beim Hund noch bei mir.

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Ich ärgerte mich. Ich mag es nicht wenn Menschen ungefragt meine Hunde anfassen. Und noch mal weniger wenn es sich dabei um meinen Assistenzhund handelt. Zudem sie noch extra als Assistenzhund gekennzeichnet war. Einerseits steht es am Geschirr und andererseits hab ich extra einen Patch mit „Bitte nicht streicheln“ und durchgestrichener Hand am Rückenteil vom Geschirr. Offensichtlicher geht es echt nicht mehr. Wie so viele scheint es auch Frau Doktor nicht zu sehen. Oder ignoriert es gekonnt. Doch ich bring kein Wort über die Lippen.

Ylvi ist inzwischen schon richtig aufgdreht und hüpft hektisch von einer Pfote auf die andere. Dr Sowieso tätschelt fröhlich weiter und quatscht auf meine Hunde ein. Erst als sie die Frage noch mal stellt kapier ich, dass sie mit mir redet. Wie meine Hunde denn heißen.  Ich höre mich selber brav antworten. Irgendwann ist sie fertig mit tätscheln und verabschiedet sich.

Ich geh weiter und ärger mich. Über mich selber. Und über „Hundemenschen“.

Die Menschen, die Hund ja so gern mögen. Die Ylvi ja so nett finden. Und freundlich. (Was sie ja zum Glück auch wirklich ist.) Menschen, die im Vorbeigehen meinen Hund locken. Menschen, auf der Straße einfach meinen Hund streicheln. Ungefragt! Menschen, die das andere Ende der Leine völlig ignorieren und nur mit meinem Hund sprechen. Was ich übrigens schrecklich unhöflich finde.

Oft höre ich: Die ist ja eh freundlich. Ja, klar. Mein Hund steht da und wedel mit dem Schwanz wenn sie angesprochen wird. Dennoch findet sie es nicht brickelnd wenn man sich über sie beugt. Oder wenn man ihr den Kopf tätschelt. Welcher Hund mag das schon? Dann wendet sich nämlich den Blick ab und züngelt. Toll ist was anderes.

Oder ich grieg zu hören, dass die Leute auch Hunde haben. Ja, schön. Und weiter? Das gibt doch niemanden das Recht einfach meinen Hund anzufassen! Ganz abgesehen davon, dass man IMMER und bei JEDEM Hund vorher fragen sollte ob man streicheln darf. Nicht nur bei einem Assistenzhund. Es sollte ja auch Hunde geben, die sich dann bedrängt fühlen und beißen. Hab ich mal gehört. Aber die Leute glauben ja, dass wenn sie selber Hunde haben, diese genau lesen können.

Mich ärgert es so sehr weil ich mit Ylvi seit Welpenzeit mühsam daran arbeite, dass sie nicht zu jedem Menschen hinläuft oder sie anspringt weil die Leute sie mit den Worten so hochpushen. Jedesmal wenn dann jemand kommt und sie lockt und einfach streichelt darf ich wieder von vorne anfangen. Leute für so ein Training zu finden ist auch nicht so leicht.

Ich bin ja schon froh, dass es schon viel besser geworden ist – dank mühevollem Training. Sie ignoriert fremde Personen wenn sie das Arbeitsgeschirr an hat. Sie blickt zu mir und fragt ab ob sie darf oder nicht. Natürlich belohne ich sie nach wie vor wenn sie Menschen und deren locken ignoriert. Das ist für sie sehr schwierig und ich weiß das. Ich glaub sogar, dass es für sie das Schwierigste an der ganzen Ausbildung ist.

Tut mir also bitte einen Gefallen: Fragt vorher ob ihr einen Hund streicheln dürft. Und zwar bevor ich den Hund streichelt und nicht wenn ihr eh schon dabei seid. Danke.

 

 

 

 

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