Warum Ylvi nicht mit mir in Heiligenfeld ist

Eigentlich wollte ich den Bericht schon vor zwei Wochen schreiben, aber es ging vor der Abreise so drunter und drüber, dass ich keine Zeit dafür fand. Hier in der Klinik hatte ich bisher auch nicht wirklich den Kopf dafür.

Einige von euch haben sich sicher gewundert und andere haben mich es auch direkt gefragt: „Darf Ylvi mit ins Krankenhaus?“ oder „Warum hast du Ylvi nicht mit?“

Nun es war keine leichte Entscheidung für mich hier auf Ylvi zu verzichten. Ich war ja bereits einmal in Heiligenfeld und wusste wie die Therapien hier ablaufen, wieviele Gruppen man so hat und vor allem wie anstrengend es für mich ist so viel Therapie auf einmal zu machen. Wenn ihr einen Blick auf meinen Stundenplan werft, dann seht ihr, dass es am Morgen um 7 Uhr mit Selbststeuerung anfängt. Das ist schon mal so gar nicht meine Zeit zum aufstehen. Dann habe ich 1 Stunde Pause in der ich noch frühstücken gehen muss. Schon geht es um 8:30 Uhr weiter mit der nächsten Therapie Körperstruktur (außer montags und freitags wo wir vorher noch Visite haben). Zwischen allen Therapien habe ich so ca 30-60 Minuten Zeit. Man könnte jetzt denke, dass das genug Zeit sei um mit dem Hund eine Runde zu gehen. Ja und Nein. Für mich ist es nicht genug Zeit. Hier wird besonders viel Wert auf die Patientengemeinschaft gelegt, darauf, dass wir uns auch gegenseitig auffangen und halten. Doch dafür muss man erst einmal Kontakte knüpfen. Mit den Mitpatienten ins Gespräch kommen, eine Verbindung aufbauen. Das geht nicht wenn ich nach jeder Gruppe im Stress aufs Zimmer hetze um dann mich mit meinem Hund zu beschäftigen. Ich möchte Zeit für die anderen Menschen haben und Zeit für mich. Ich brauche manchmal auch zwischen den Therapien die Zeit um mich noch ein wenig hinzulegen, zu dösen oder eine Imaginationsübung zu machen um mich wieder runter zu holen wenn etwas aufbricht. Heiligenfeld ist hier einfach etwas anders als andere Kliniken. Hier gibt es auch tolle Angebote außerhalb der Therapie von Patienten für Patienten, wie zb das Märchenvorlesen, das ich übernommen habe. Mein Tag endet meistens erst so gegen 16:30 Uhr. Mittwochs sogar erst um 18:15 Uhr. Da bin ich dann aber auch völlig platt.

Prinzipiell gibt es hier ein Hundezimmer. Sprich 1 Patient von 134 darf seinen Hund (egal ob Assistenzhund oder Familienhund) in die Klinik mitnehmen. Logischerweise gibt es für dieses eine Zimmer eine sehr lange Warteliste. Da es mir schon seit einem Jahr schlecht geht und, es nur immer noch schlechter wurde, war es bei mir dringend einen Platz zu bekommen. Ich hatte einfach keine Zeit auf ein spezielles Zimmer zu warten. Die Wartezeit mit den geplanten 12-16 Wochen, ab dem Tag wo alle Unterlagen eingegangen sind, war mir schon zu lange. Ich hätte auch noch länger warten müssen, wenn ich nicht immer wieder angerufen und Druck gemacht hätte.

Das nächste ist, dass ich auch in dieser Klinik Ylvi nicht mit zu den Therapien nehmen hätte dürfen. Es findet hier alles in Großgruppen statt. Das sind bei der Selbststeuerung oder Körperstruktur ca 50 Patienten, beim Forum oder der Patientenversammlung 134. Nur bei der Reittherapie sind wir fix 8 Patienten und in der Kerngruppe 11. Einmal pro Woche gibt es für 20 Minuten ein Einzelgespräch. Ich hatte einfach nicht mehr die Kraft darum zu kämpfen, dass ich sie als Assistenzhund überall mitnehmen darf. Ich war einfach an einem Punkt angelangt an dem ich das nicht mehr konnte.

Der nächste Punkt ist, dass ich mir vorgenommen habe mich hier mal nur auf mich zu konzentrieren. Mich nicht durch andere Dinge ablenken zu lassen, auch wenn die Ablenkung häufig sehr willkommen ist. So kann ich mich richtig auf die Therapien einlassen und muss nicht ständig denken, ob sie sich jetzt wohl brav verhält so dass sich niemand aufregen kann. Oder ob es andere Patienten stört, dass sie dabei ist oder gar jemand in der Gruppe ist der Angst vor Hunden hat. Da wäre ich dann ständig damit beschäftigt was andere denken und möglichst unauffällig zu sein. Doch darum soll es in dem Aufenthalt nicht gehen. Es soll einfach mal um mich gehen.

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Ein Kommentar zu “Warum Ylvi nicht mit mir in Heiligenfeld ist
  1. Monika Gefing sagt:

    Wir wünschen dir von Herzen viel Kraft und denken ganz fest an Dich Monika und Happy

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